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Montag, 4. Mai 2009

Pseudo-Wirtschaftkrise reloaded

Warum nur will man uns unbedingt eine Krise einreden?

"Die Auftragslage im deutschen Handwerk bleibt überraschend stabil, getragen von erstaunlich großer Nachfrage der Privathaushalte ..."

Die Durchschnittsdeutschen haben immer noch Geld zur Verfügung, das sie - oh Schreck! - auch weiterhin gern ausgeben!

So ein Pech aber auch.

Samstag, 18. April 2009

Wirtschaftskrise and the like ...

In der Vergangenheit war bereits wiederholt von verschiedener Seite für die Abschaffung des sogenannten Sachverständigenrats der fünf Wirtschaftsweisen plädiert worden, weil er nur "heiße Luft" produziere,
d. h. seine Vorhersagen für das künftige Wirtschaftswachstum nie eingetroffen seien, sondern stets von der Realität ad absurdum geführt wurden.

Offenbar in Anerkennung der eigenen Unzulänglichkeit gab nun vergangene Woche der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bekannt, man werde für 2010 keine Wachstumsprognose abgeben. Die Entwicklung ließe sich aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise nicht abschätzen.

Einsicht - der erste Schritt ...

Indessen sorgt ein Radiosprecher beim Zuhörer für Verwunderung, als er seinem Interviewpartner Otto Graf Lambsdorff die Frage stellt: "Ist es nicht erstaunlich, daß die Menschen angesichts der Lage so ruhig bleiben?" Gemeint war die offensichtliche Gelassenheit, mit der die deutsche Bevölkerung allen Unkenrufen von Krise und Weltuntergang trotzt und weiterhin fröhlich Geld ausgibt.

Well, what else could they do?
In Panik ausbrechen und Geld unter der Matratze horten?

Sonntag, 8. März 2009

MDRinfo-Sprachvergehen, nächste Folge

Ist es tatsächlich so schwierig, "Sean Penn" zu sagen?

Beim Versuch, den Vornamen des Oscar-Preisträgers zu artikulieren, entstehen Varianten, die von "John" bis zu "Jean" reichen.

Avanti dilettanti!

MDRinfo-Sprachvergehen

Es heißt nicht "die BZÖ", sondern "das BZÖ"!!! Das Bündnis Zukunft Österreich!

Ganz gleich, wie man zu dessen Inhalten steht, sollte man doch den Namen kennen und korrekt nennen.

Armer öffentlich-rechtlicher Rundfunk ...

Freitag, 30. Januar 2009

Raketenschild, grammatisch

Meine lieben Freunde von mdr info erfreuen mich wieder durch Zurschaustellung Ihrer Unkenntnis: *"das Raketenschild" wird da gesagt, wo es "der Raketenschild" heißen müßte!

Habt Ihr noch niemals die Redewendung "jdn. auf den Schild heben" gehört?

"Schild" ist homonym, hat also trotz gleicher Lautung zwei verschiedene Bedeutungen:

Schild I [n.] Tafel, Platte mit Aufschrift oder Bild (als Erkennungszeichen, Warntafel o. Ä.; Verkehrs~, Hinweis~, Wirtshaus~) II [m.] 1 am Arm getragene Platte als Schutz

Quelle: Der kleine Wahrig. Bertelsmann Wörterbuch. Wörterbuch der deutschen Sprache. Hrsg. von Wahrig, G. u. Wahrig-Burfeind, R. Völlig neu bearb. Ausg. Bertelsmann Lexikon Institut, 2002.

Ein "Raketenabwehrschild" sollte demnach recht eindeutig der Kategorie "Platte als Schutz" zuzuordnen sein, wenngleich in übertragener Bedeutung. Seine Aufgabe besteht vorgeblich darin, Europa vor Raketenangriffen abzuschirmen.

Vielen Dank, lieber öffentlich-rechtlicher Rundfunk, daß Du Deinem Bildungsauftrag so wunderbar nachkommst ... Oder hast Du am Ende gar keinen solchen?

Ein Schildbürgerstreich zur Abendstunde

Sonntag, 14. Dezember 2008

Laßt die Männer rosa tragen!

Warum stören sich die Medienvertreter an Ribérys rosa Fußballschuhen? Ist ein Mann automatisch homosexuell, nur weil er Kleidung in einer bestimmten Farbe trägt?

Intoleranz und Verunsicherung zeugen Spottnamen wie "Franck Rosary" (Gerhard Delling).

- Und der Franzose? Bleibt beeindruckend gelassen und schießt weiter Tore...

Formidable.

Donnerstag, 6. November 2008

This is not America

Allgemeiner Jubel: Barack Obama wird tatsächlich neuer Präsident der USA!

Wir sehen Bilder begeisterter Amerikaner, die vor Freude tanzen, weinen und sich in den Armen liegen, nachdem sie zuvor in langen Schlangen vor den Wahllokalen gestanden hatten, um den vielbeschworenen Wandel herbeizuführen.

Statt diesen Anblick nun aber einfach zu genießen, ereifern sich die hiesigen Medien über den Mangel an adäquater Leidenschaft für Politik und deren Vertreter in Deutschland. Warum Wahlkampf bei uns so wenig mit Show und Massenhysterie zu tun habe. Ob es uns wohl an Begeisterungsfähigkeit fehle.

An dieser Stelle Dank an den Herausgeber der ZEIT, Josef Joffe, der freundlich darauf hinwies, daß jener mutmaßliche Mangel historisch bedingt sei. Das "3. Reich" und die Verwerfungen des Nationalsozialismus hätten zur Genüge gezeigt, wie anfällig die deutsche Bevölkerung für Manipulation und blinden Emotionsüberschwang ist.

Will man uns jetzt einen Vorwurf daraus machen, daß wir infolge dieser Ereignisse in der Vergangenheit scheinbar unkontrollierten Gefühlsausbrüchen skeptisch gegenüberstehen?

Deutschland fällt eben stets von einem Extrem ins andere. Ist unsere Bevölkerung kollektiv ein Fall für die Couch?

Dieser Hang zur Selbstzerfleischung wirkt bisweilen schon pathologisch... Warum können wir uns nicht völlig unbefangen mitfreuen?

Es muß wohl doch an der Mentalität liegen.

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Unkenrufe...

Ich kann es nicht mehr hören: jeden Tag neue Hiobsbotschaften von der Börsenfront. Dax im Keller, Nikkei-Index ebenso, Banken kurz vor der Pleite.

Und als würde das nicht reichen, die mediale Panikmache: "Steht uns eine neue Weltwirtschaftskrise bevor?" Der Goldpreis steige stetig. "Verkaufen Sie Ihre Aktien und Fondsanteile!" Jeder vierte Deutsche habe bei seiner Bank angerufen, um zu erfragen, ob seine Ersparnisse sicher seien. Was will man uns damit bedeuten? "Ihr anderen drei sorgt Euch wohl nicht um Euer Geld, daß Ihr nicht anruft?"

Vielleicht haben auch drei von vier Deutschen kein oder zumindest nicht genügend Spargeld, als daß Befürchtungen darum sich lohnten? Oder werden von anderen, viel profaneren Sachverhalten in Beschlag genommen, zum Beispiel der Frage, wovon die Heizkosten für den Winter zu bestreiten seien? Spätestens, wenn die Rechnung für den gefüllten Gas- oder Öltank ins Haus flattert, hat sich das Thema "Geld auf dem Sparkonto" ohnehin erledigt.

Und überhaupt: Ca. 90% der deutschen Unternehmen seien nicht-börsennotierte Mittelständler. Die nach Expertenmeinung über ausreichend Kapitaldeckung verfügen, um auch eine mittelfristige Verknappung von Krediten ohne Liquiditätsprobleme überstehen zu können. Zudem hielten nur rund 10% der Bevölkerung Aktien, weshalb auch die Berichterstattung von der Börse nur eine Minderheit tangieren müsse. Wie sagte Rudolf Dreßler so schön: "Die Börse hat nichts mit der realen Wirtschaft zu tun."

Wie beruhigend.

Samstag, 4. Oktober 2008

Don't panic!

Nun gut, da haben also vor zwei Jahren kriminelle Elemente sensible Kundendaten von T-Mobile entwendet.

Medialer Aufschrei: Namen und Adressen seien in falsche Hände geraten! Auch Prominente betroffen!

Selbstverständlich ist Datendiebstahl kein Kavaliersdelikt. Aber wenn die Telekom den Mißbrauch bereits 2006 der Staatsanwaltschaft gemeldet hat und seitdem niemand zu Schaden gekommen ist - wozu dann heute - zwei Jahre später - eine solche Aufregung?

Oder würden die Übeltäter wirklich soviel Zeit verstreichen lassen, bevor sie zuschlagen, statt sich sofort ans Werk zu machen? Nach dem Motto: warten, bis Gras über die Sache wächst?

Wenigstens diese Gefahr dürfte ja mithin gebannt sein.

Samstag, 20. September 2008

Mogelpackung Luther?

Hm, da warnt ein Historiker davor, Martin Luther zu glorifizieren. Er habe auch schlechte Seiten gehabt. Wirklich? Oh, Wunder! Haben wir die nicht alle? Und weiter, es könne nicht mit Bestimmtheit gesagt werden, daß er seine berühmten Thesen tatsächlich 1517 angeschlagen habe. Falls überhaupt. Es sei nämlich nicht sicher, ob so viel Text überhaupt auf die Tür der Schloßkirche gepaßt habe. Oder auf irgendeine andere Tür.

So weit, so gut. Natürlich sollte man das Wirken historischer Persönlichkeiten kritisch hinterfragen. Aber steht denn eine Heiligsprechung Luthers ernsthaft zur Debatte, daß man nun den Versuch unternimmt, ihn so völlig zu demontieren und der Lächerlichkeit preiszugeben? Verlangen die US-amerikanischen Fundamentalchristen etwa danach? Schon möglich.

Jedoch in Zeiten, da der Reformationstag in der Wahrnehmung vieler Kinder und auch Erwachsener gänzlich durch Halloween verdrängt wird, scheint derlei herbe Kritik eher unangebracht. Oder dient dieser "Anti-Luther-Feldzug" vielleicht ebenjenem Ziel, den 31. Oktober Spuk und marodierenden Kinderhorden zu übereignen? Die späte Rache der Katholiken?

Ach übrigens, daß Luther kein Held, sondern im Gegenteil ein ziemlicher Hasenfuß war, ist auch nichts Neues. Hat man früher in der Schule gelernt.

Jedenfalls im atheistischen Osten...

Sonntag, 14. September 2008

Telekom-Werbeterror

Eine Frage an die Verantwortlichen der Telekom: Muß eigentlich in fast jeder Werbepause Paul Potts "Nessun dorma" singen? Glaubt Ihr nicht auch, daß Puccinis grandiose Arie dadurch zum Pausenfüller herabgewürdigt wird?

Nun ja, natürlich verfehlt es seine Wirkung nicht: Gänsehaut auf Abruf, alle 25 Minuten. Man fühlt sich als Zuschauer wie einer der berühmten Pawlowschen Hunde, Druck auf die Tränendrüsen statt Speichelfluß...

Ist Euch das egal, weil Ihr Euch davon größeren Zuspruch für Eure Telefon- und Onlinedienste erhofft?

Paul Potts, "der Mann aus der Telekom-Werbung" (Plakat) oder auch spöttisch "der singende Telefonverkäufer" (mdr info; ziemlich clever, weil in zweifacher Hinsicht zutreffend!) erobert inzwischen die Hitparaden und tritt bei allen nur erdenklichen Anlässen (sogar Fußballspielen!) auf - als fürchte er selbst die Vergänglichkeit seines Ruhms.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Der Erfolg sei ihm gegönnt. Er singt wirklich herzergreifend.

Aber: Seine omnimediale Dauerpräsenz ruft bei mir mittlerweile Abwehrreaktionen hervor. Derart, daß ich jedes Mal wegschalte, sobald besagter Werbespot anfängt!

Ist es das, was Ihr wollt, liebe Freunde von der Telekom?

Freitag, 15. August 2008

Informationsdefizit

Heute eine Frage zum Georgien-Konflikt:

Warum kann niemand sagen, wer nun eigentlich schuld ist am Ausbruch der kriegerischen Auseinandersetzungen auf dem Balkan?

- Das läßt sich nicht so leicht beantworten.
- Natürlich, da ist zum einen Rußland mit seinem neu erwachten Großmachtdenken, das die Eigenständigkeit Georgiens nicht akzeptieren will und deshalb die nach Autonomie strebenden Regionen Südossetien und Abchasien nur zu gern unterstützt. Auf der anderen Seite stehen die USA, die Anfang der Neunziger Jahre mitgeholfen haben, Georgien als unabhängigen Staat zu installieren, um für das aserbaidschanische Erdöl einen Korridor zum Schwarzen Meer zu schaffen. Und schließlich, mittendrin, befinden sich Georgien und seine abtrünnigen Provinzen, von konträren Interessen getrieben.

All dies ist bekannt.

Aber wer hat nun die derzeitige Eskalation herbeigeführt? Die Georgier, weil sie, wie die Russen behaupten, "ethnische Säuberungen" in Südossetien durchführten? Oder die Russen, indem sie sich in innergeorgische Angelegenheiten einmischten und versuchen, die georgische Regierung zu stürzen oder zumindest zu destabilisieren? Wer ist Aggressor und wer ist Opfer? Sind die Russen vielleicht doch die edlen Ritter, die den bedrängten Südosseten zu Hilfe eilen? Oder darf dies nicht wahr sein, weil die USA das Gegenteil verlautbaren?

Wo ist der neutrale Berichterstatter, der uns Aufklärung bringt?

Freitag, 1. August 2008

Nachtrag: Pressefreiheit

Wer hätte das gedacht: China hat nach Protesten die Zensur im Pressezentrum der Olympia-Stadt Peking gelockert!

- Danke, geht doch! Empörung und Entrüstung sind also keineswegs vergebens. Die chinesische Regierung verlangt es nach öffentlicher Akzeptanz und Anerkennung. Das sollte sich die internationale Staatengemeinschaft zunutze machen. Und nicht davor zurückschrecken, Kritik zu äußern. Übrigens nicht nur im Umgang mit China.

Hoffen wir für die Zukunft das Beste.

Donnerstag, 31. Juli 2008

Pressefreiheit bei den Olympischen Spielen

Bravo, IOC! Das habt Ihr ja prima hingekriegt: Peking erhält den Zuschlag für die Olympischen Sommerspiele 2008 und darf nach Lust und Laune die internationale Presse durch Zensurmaßnahmen gängeln.

- So war das gar nicht geplant? - Ach nein, wie schön, welch hehre Vorsätze das Olympische Komitee ursprünglich hatte. Alles sollte frei und friedlich vonstatten gehen. Nur leider kam dann Tibet dazwischen. Und plötzlich wurde klar, daß die chinesische Regierung sich keinen Deut um westliche Demokratievorstellungen schert. Überraschung! Aber gut, seitdem zogen einige Monate ins Land, die Total-Boykottdrohungen sind mittlerweile vom Tisch, man könnte ja eventuell der Eröffnungsfeier fernbleiben?

- Wenn das kein Zeichen von Entschlossenheit ist! - Lieber läßt man sich von den chinesischen Machthabern vorführen, man hat ja ohnehin keine Wahl. Schließlich wollen wir doch den Sportlern ihr wunderbares Event nicht kaputtmachen. Und den Sponsoren sowie dem IOC nicht das einträgliche Geschäft. Oder den ausländischen Investoren nicht ihre Milliardengewinne am chinesischen Markt.

Die Weltmacht China darf also nach Belieben unsere Politiker an der Nase herumführen. Wer aufmuckt oder offenkundig zuwiderhandelt, wird mit diplomatischer Nichtbeachtung und gegebenenfalls Wirtschaftssanktionen abgestraft - wir erinnern uns an den Besuch des Dalai Lama in Deutschland oder die Kritik des französischen Präsidenten an der chinesischen Tibetpolitik.

Daß sich aber auch die Sportfunktionäre diesem Druck beugen, ist unverständlich. Mangel an Rückgrat muß man das nennen. Warum sonst gibt es keinen Aufschrei unter den verantwortlichen Organisatoren? Ein bedauerndes Schulterzucken, ein "Da kann man leider nichts machen". Und das war's?

- Wozu denn die ganze Aufregung? China hat ja den Journalisten eine ungehinderte Sportberichterstattung zugesichert, wo liegt das Problem? Es geht doch nur um Sport, oder? - Nein, nicht ganz, liebe Freunde. Irgendwann einmal in grauer Vorzeit gab es da den Gedanken der Völkerverständigung und des friedlichen Miteinanders, der durch die Spiele gefördert und verbreitet werden sollte.

Was ist davon geblieben?

Mittwoch, 23. Juli 2008

Tricastin, Romans-sur-Isère, Saint-Alban oder: Der Mythos von der sicheren Atomenergie

So so, Atomenergie ist also sicher? Die "Energie der Zukunft" gar? Und umweltfreundlich?

- Tja, pardon, Monsieur Sarkozy, schade, CDU... Warum nur häufen sich dann derzeit die Zwischenfälle in französischen Atomanlagen?

Sind die bösen Medien schuld, die plötzlich jedes noch so "ungefährliche Ereignis" zur Beinahe-Katastrophe hochstilisieren, im Kampf gegen die "saubere" Atomenergie?

Und damit den Atomstromlobbyisten ihren wunderschönen PR-Schachzug "Zurück zur Atomenergie" vermiesen?

- Gut, daß wir sie haben, unsere unverbesserlichen Umweltaktivisten und investigativen Journalisten! Auch wenn letztere an dieser Stelle (ob diverser Sprachpannen) oft kritisiert werden, sind sie dennoch unabkömmlich für Information und freie Meinungsbildung.

Und sie verschweigen uns auch nicht die Tatsache, daß wir abhängig sind von Öl und Uran. Noch immer. Wann endlich kommt die vielbeschworene "Wende in der Energiepolitik", die nicht durch Subvention von Biodiesel alles noch schlimmer macht?

Wir warten, liebe Politiker!

Mittwoch, 9. Juli 2008

All You Can Eat?

Schön und gut, daß es solch seltsame Dinge wie eine "Weltmeisterschaft im Würstchen-Wettessen" überhaupt gibt, aber ist dies tatsächlich relevant für die Berichterstattung vorgeblich seriöser Medien und Nachrichtensender?

Sicher, als Appetithäppchen für "zwischendurch" haben sie vielleicht eine Berechtigung inmitten all der gewichtigen und für gewöhnlich schwerverdaulichen Beschlüsse und Katastrophen. Oder unterschätze ich damit die Tragweite eines weltbewegenden Ereignisses wie der "Hotdog-WM"? Bringt sie nicht Menschen verschiedenster Kulturen zusammen, um ... ja, wozu eigentlich? - Um sich binnen kürzester Zeit völlig sinnlos mit Würstchen vollzustopfen.

Na, wenn das kein gelungener Beitrag zur Völkerverständigung ist! Danke, MDR info, danke, Tagesspiegel, daß Ihr uns daran teilhaben laßt!

Montag, 30. Juni 2008

Bezahlen Sie mit Ihrem guten Namen...

Im Kleingedruckten für ein Abonnement der Zeitschrift freundin fand sich folgendes Kuriosum:

"Der Versand ist nur innerhalb Deutschlands möglich und erfolgt per Nachname."


Vielleicht sollte man das doch noch mal von der Rechtsabteilung überprüfen lassen?

Montag, 23. Juni 2008

Trix & Flix vs. Goleo VI

Seltsam, nun liegt die letzte Fußball-WM schon zwei Jahre zurück und noch immer finden sich Leute, die nicht müde werden, das damalige Maskottchen Goleo zu schmähen.

Er habe keine Hose getragen und die Zunge hing ihm aus dem Maul.
- Wer kommt denn auf die absurde Idee, ein Maskottchen nach menschlichen Maßstäben zu bewerten? Ist ein Plüschtier halbnackt, weil es "nur" ein T-Shirt trägt? Hat sich je irgend jemand daran gestört, daß dieser abscheuliche Samson aus der Sesamstraße mit seiner merkwürdigen Knollnase für gewöhnlich splitterfasernackt (bis auf die Turnschuhe) auftrat? - Ich finde, da wird wirklich mit zweierlei Maß gemessen.

Wenn man einen Menschen in ein Goleo-Kostüm steckt, sieht das natürlich lächerlich aus. Ebenso wie bei Donald Duck oder Micky Maus geht jedwede zuvor eventuell vorhandene Niedlichkeit durch die Überdimensionierung verloren. Aber als Comic-Figur, Kuscheltier oder Schlüsselanhänger verfügen sie sehr wohl über eine gewisse Possierlichkeit. Verbitterten Miesmachern in der Mitte des Lebens wird dies verborgen bleiben. Aber wem sich einmal Gelegenheit bot, begeisterte Kinder beim Anblick von Goleo-Figürchen "ooh, wie süß!" jubeln zu hören, der weiß um die wahre Zielgruppe der Maskottchen.

Und die Bemerkung, "Trix & Flix" seien bessere Namen als "Goleo", entbehrt ja wohl jeder Grundlage. Wo bleibt denn da bitte schön die Originalität? Bedeuten "Trix & Flix" irgend etwas? Man vergleiche "Goleo VI": "gol" = span. 'Tor', "leo" = lat. 'Löwe', "VI" = das WM-Jahr 2006. Kann der Name eines Maskottchens bedeutungsschwangerer sein als dieser? Wer wollte den Erfindern Goleos ernsthaft einen Mangel an Kreativität nachsagen? Einzig den Bezug zu Deutschland könnte man bei der Namensgebung vermissen, aber erstens ist eine WM ja eine globale Angelegenheit, bei der etwas Internationalität nicht schaden kann, und zweitens: Wo bleibt etwa die Verbindung zu den EM-Gastgeberländern bei "Trix & Flix" (abgesehen von der Farbgebung ihrer Kleidung, aber die gab es bei Goleos schwarzweißem Shirt ja auch!)?

Oder liegt es einfach daran, daß Goleo das deutsche Maskottchen war, und Deutsche tatsächlich immer alles schlechtreden müssen, was aus ihrer Heimat kommt?

Welche Beziehung haben eigentlich Österreicher und Schweizer zu Trix & Flix?

Sonntag, 22. Juni 2008

Zum Numerus von "Niederlande"

Dieser Beitrag richtet sich an alle ach so klugen Sport-Moderatoren im ZDF (Kerner, Rethy), die gestern den ganzen Abend lang von "der Niederlande" [sic!] sprachen.

Meine Güte, sollte ihnen tatsächlich noch niemand gesagt haben, daß "die Niederlande" ein Plural ist?! (Genauer gesagt: ein Pluraletantum, d. h. ein Substantiv, das ausschließlich im Plural belegt ist!) Und daß demnach im Nominativ der Anschluß mit einem Verb im Plural erfolgen muß (z. B.: Die Niederlande haben das Spiel verloren.)?!

Also, für alle Zukurzgekommenen, die auch noch immer von "der USA" [sic!] reden, obwohl es sich bei den USA ebenfalls um einen Plural handelt (nämlich die United States of America = die Vereinigten Staaten von Amerika):

Das Neutrum "Land" hat zwei Pluralformen: "die Lande" und "die Länder". "Länder" wird als unmarkierter Plural gebraucht, während die Verwendung von "Lande" mit dem sprachstilistischen Merkmal "gehoben" gekennzeichnet ist. Somit liegt für die beiden Pluralformen ein Gebrauchsunterschied vor, der z. T. auch als Bedeutungsdifferenzierung interpretiert wird: "die Lande" ('eine Region als Ganzes')/"die Länder" ('Einzelregionen')*.

Sprachgeschichtlich läßt sich die Doppelform des Plurals bis ins Mittelhochdeutsche zurückverfolgen: Durch die seit germanischer Zeit übliche Stammsilbenbetonung kam es zu einer Abschwächung der Nebensilben. Nun war "land/lant", wie viele andere Neutra auch, im Nominativ und Akkusativ Plural endungslos. Um eine Differenzierung zwischen Singular und Plural zu ermöglichen, gab es einen Analogie-Ausgleich, im Zuge dessen der "-er"-Plural einiger Neutra (z. B. lamb - lember > neuhochdeutsch: Lamm - Lämmer) auf alle einsilbigen Neutra übertragen wurde. Daher rührt die Pluralform "Länder".

Eine andere Möglichkeit zur Numerusdifferenzierung war die Bildung des Nom./Akk. Pl. in Analogie zu den starken Maskulina (z. B. tag/tac - tage > nhd.: Tag - Tage). Auf diese Weise entstand der Plural "Lande". In der Zeit vom 15. bis zum 17. Jh. wurden beide Analogieformen nebeneinander verwendet, danach setzte sich zumeist die Neutra-Analogie (= die Pluralform auf "-er") durch. Deshalb ist "Länder" bis heute die gebräuchlichere Pluralform von "Land".

Dennoch sollten wir es respektieren, daß sich in der Bezeichnung "Niederlande" für unseren Nachbarstaat die weniger verbreitete Form "Lande" erhalten hat, und diese auch korrekt flektieren.

Ein Beispielsatz für jeden Kasus:

Nom.: Die Niederlande spielten gegen Rußland.
Gen.: Die Niederlage der Niederlande überraschte.
Dat.: Den Niederlanden gelang gestern kaum ein Spielzug.
Akk.: Wir wollen die Niederlande bei der WM 2010 wiedersehen.

Zur Erinnerung: "Niederlande" ist IMMER Plural!


* Quelle: Duden, Grammatik der deutschen Gegenwartssprache. Hrsg. von der Dudenredaktion. 6., neu bearb. Auflage. Mannheim u. a.: 1998.

Donnerstag, 5. Juni 2008

Feindio! Mordio! - Keine Erleichterung?

Kaum zu glauben: Weil die Verantwortlichen im slowenischen Atomkraftwerk Krsko nach einer Unregelmäßigkeit das EU-weite Informationssystem zu Unrecht strapazierten, sehen sie sich plötzlich allgemeiner Kritik ausgesetzt.

Gut, es mögen ein paar Pannen passiert sein: Kühlwasser ausgetreten, falsches Formular ausgefüllt, Alarm ausgelöst... Aber mal ehrlich, sollten wir es nicht honorieren, daß man uns überhaupt informiert hat, wo doch sonst derlei Zwischenfälle für gewöhnlich unter den Teppich gekehrt werden?

Ist es nicht vielmehr löblich, mit welchem Übereifer die Slowenen versuchten, alles richtig zu machen? Warum das Ganze nicht als Übung für den (hoffentlich fernen!) Ernstfall betrachten?

Eine Art Probealarm, der zeigt, wie gut das Warnsystem doch funktioniert. Und was noch zu verbessern ist. Auch wenn sich die Frage stellt, ob uns das tatsächlich etwas nützen würde. Auf lange Sicht hilft hier nur die Abschaltung sämtlicher AKWs, aber derzeit mangelt es noch an ernstzunehmenden Alternativen, die eine lückenlose Versorgung garantieren könnten.

Bleibt festzuhalten: Lieber hundertmal falscher Alarm als einmal Super-GAU, oder?