Es heißt nicht "die BZÖ", sondern "das BZÖ"!!! Das Bündnis Zukunft Österreich!
Ganz gleich, wie man zu dessen Inhalten steht, sollte man doch den Namen kennen und korrekt nennen.
Armer öffentlich-rechtlicher Rundfunk ...
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Sonntag, 8. März 2009
Sonntag, 15. Februar 2009
Numeruskongruenz
Immer mehr Menschen scheinen unüberwindbare Schwierigkeiten bei der Konstruktion grammatisch kongruenter Sätze zu haben.
Ein Beispiel, stellvertretend für viele andere - Sängerin Helene Fischer bei mdr info: "Mein Team, die mich gepusht haben ..."
AUTSCH!
"das Team" = grammatischer Singular!
Korrekt hätte der Satz also lauten müssen: "Mein Team, das mich gepusht hat ..."
Aber interessiert das noch irgend jemanden?
Alle Macht den Stupiden!
Ein Beispiel, stellvertretend für viele andere - Sängerin Helene Fischer bei mdr info: "Mein Team, die mich gepusht haben ..."
AUTSCH!
"das Team" = grammatischer Singular!
Korrekt hätte der Satz also lauten müssen: "Mein Team, das mich gepusht hat ..."
Aber interessiert das noch irgend jemanden?
Alle Macht den Stupiden!
Freitag, 30. Januar 2009
Raketenschild, grammatisch
Meine lieben Freunde von mdr info erfreuen mich wieder durch Zurschaustellung Ihrer Unkenntnis: *"das Raketenschild" wird da gesagt, wo es "der Raketenschild" heißen müßte!
Habt Ihr noch niemals die Redewendung "jdn. auf den Schild heben" gehört?
"Schild" ist homonym, hat also trotz gleicher Lautung zwei verschiedene Bedeutungen:
Schild I [n.] Tafel, Platte mit Aufschrift oder Bild (als Erkennungszeichen, Warntafel o. Ä.; Verkehrs~, Hinweis~, Wirtshaus~) II [m.] 1 am Arm getragene Platte als Schutz
Quelle: Der kleine Wahrig. Bertelsmann Wörterbuch. Wörterbuch der deutschen Sprache. Hrsg. von Wahrig, G. u. Wahrig-Burfeind, R. Völlig neu bearb. Ausg. Bertelsmann Lexikon Institut, 2002.
Ein "Raketenabwehrschild" sollte demnach recht eindeutig der Kategorie "Platte als Schutz" zuzuordnen sein, wenngleich in übertragener Bedeutung. Seine Aufgabe besteht vorgeblich darin, Europa vor Raketenangriffen abzuschirmen.
Vielen Dank, lieber öffentlich-rechtlicher Rundfunk, daß Du Deinem Bildungsauftrag so wunderbar nachkommst ... Oder hast Du am Ende gar keinen solchen?
Ein Schildbürgerstreich zur Abendstunde
Habt Ihr noch niemals die Redewendung "jdn. auf den Schild heben" gehört?
"Schild" ist homonym, hat also trotz gleicher Lautung zwei verschiedene Bedeutungen:
Schild I [n.] Tafel, Platte mit Aufschrift oder Bild (als Erkennungszeichen, Warntafel o. Ä.; Verkehrs~, Hinweis~, Wirtshaus~) II [m.] 1 am Arm getragene Platte als Schutz
Quelle: Der kleine Wahrig. Bertelsmann Wörterbuch. Wörterbuch der deutschen Sprache. Hrsg. von Wahrig, G. u. Wahrig-Burfeind, R. Völlig neu bearb. Ausg. Bertelsmann Lexikon Institut, 2002.
Ein "Raketenabwehrschild" sollte demnach recht eindeutig der Kategorie "Platte als Schutz" zuzuordnen sein, wenngleich in übertragener Bedeutung. Seine Aufgabe besteht vorgeblich darin, Europa vor Raketenangriffen abzuschirmen.
Vielen Dank, lieber öffentlich-rechtlicher Rundfunk, daß Du Deinem Bildungsauftrag so wunderbar nachkommst ... Oder hast Du am Ende gar keinen solchen?
Ein Schildbürgerstreich zur Abendstunde
Sonntag, 20. Juli 2008
"ohne" + Akkusativ
Heute hat das Mammut eine Frage:
Wie kommt man darauf, "ohne dem" [sic!] zu sagen?
Es heißt "ohne das"!
Interessanterweise würde wohl kaum jemand *"ohne dem Hund" o. ä. produzieren; bei der Struktur Präposition + definiter Artikel + Subjekt besteht das Problem der Kasuswahl also nicht. Vielmehr tritt es nur dann in Erscheinung, wenn "ohne" mit demonstrativem Artikel "das" verwendet wird.
Eine mögliche Ursache für die Wahl des Dativs anstelle des korrekten Akkusativs:
Tendenz zur Sprachökonomie: Der Sprecher will die Struktur vereinfachen und bildet "ohne dem" in Analogie zu "mit dem" mit Dativ, wodurch Syntagmen wie ?"mit oder ohne dem" möglich werden.
Vgl. dazu auch die Struktur Präposition + Personalpronomen: Zum Beispiel engl. "with or without you" vs. dt. "mit dir oder ohne dich", wobei hier anzumerken wäre, daß eine Verkürzung wie "mit oder ohne dich" grammatisch zu sein scheint, während *"mit oder ohne dir" nicht akzeptabel ist. Der Kasus des Personalpronomens wird demnach von der direkt vorausgehenden Präposition vergeben, in diesem Falle "ohne" (+ Akkusativ).
Gleiches gilt auch für Präposition + Demonstrativum "das": "mit oder ohne das" ist grammatisch, "mit oder ohne dem" hingegen allerhöchstens umgangssprachlich akzeptiert.
Es bleibt festzuhalten: Die Kasusrektion von "ohne" erfolgt nicht in Analogie zu der von "mit", d. h. "mit" regiert den Dativ, "ohne" jedoch den Akkusativ.
"mit dem"
"ohne das"
P. S.: Nun aber bitte nicht "ohne das" mit der Nebensatzeinleitung "ohne daß" verwechseln!
Wie kommt man darauf, "ohne dem" [sic!] zu sagen?
Es heißt "ohne das"!
Interessanterweise würde wohl kaum jemand *"ohne dem Hund" o. ä. produzieren; bei der Struktur Präposition + definiter Artikel + Subjekt besteht das Problem der Kasuswahl also nicht. Vielmehr tritt es nur dann in Erscheinung, wenn "ohne" mit demonstrativem Artikel "das" verwendet wird.
Eine mögliche Ursache für die Wahl des Dativs anstelle des korrekten Akkusativs:
Tendenz zur Sprachökonomie: Der Sprecher will die Struktur vereinfachen und bildet "ohne dem" in Analogie zu "mit dem" mit Dativ, wodurch Syntagmen wie ?"mit oder ohne dem" möglich werden.
Vgl. dazu auch die Struktur Präposition + Personalpronomen: Zum Beispiel engl. "with or without you" vs. dt. "mit dir oder ohne dich", wobei hier anzumerken wäre, daß eine Verkürzung wie "mit oder ohne dich" grammatisch zu sein scheint, während *"mit oder ohne dir" nicht akzeptabel ist. Der Kasus des Personalpronomens wird demnach von der direkt vorausgehenden Präposition vergeben, in diesem Falle "ohne" (+ Akkusativ).
Gleiches gilt auch für Präposition + Demonstrativum "das": "mit oder ohne das" ist grammatisch, "mit oder ohne dem" hingegen allerhöchstens umgangssprachlich akzeptiert.
Es bleibt festzuhalten: Die Kasusrektion von "ohne" erfolgt nicht in Analogie zu der von "mit", d. h. "mit" regiert den Dativ, "ohne" jedoch den Akkusativ.
"mit dem"
"ohne das"
P. S.: Nun aber bitte nicht "ohne das" mit der Nebensatzeinleitung "ohne daß" verwechseln!
Sonntag, 22. Juni 2008
Zum Numerus von "Niederlande"
Dieser Beitrag richtet sich an alle ach so klugen Sport-Moderatoren im ZDF (Kerner, Rethy), die gestern den ganzen Abend lang von "der Niederlande" [sic!] sprachen.
Meine Güte, sollte ihnen tatsächlich noch niemand gesagt haben, daß "die Niederlande" ein Plural ist?! (Genauer gesagt: ein Pluraletantum, d. h. ein Substantiv, das ausschließlich im Plural belegt ist!) Und daß demnach im Nominativ der Anschluß mit einem Verb im Plural erfolgen muß (z. B.: Die Niederlande haben das Spiel verloren.)?!
Also, für alle Zukurzgekommenen, die auch noch immer von "der USA" [sic!] reden, obwohl es sich bei den USA ebenfalls um einen Plural handelt (nämlich die United States of America = die Vereinigten Staaten von Amerika):
Das Neutrum "Land" hat zwei Pluralformen: "die Lande" und "die Länder". "Länder" wird als unmarkierter Plural gebraucht, während die Verwendung von "Lande" mit dem sprachstilistischen Merkmal "gehoben" gekennzeichnet ist. Somit liegt für die beiden Pluralformen ein Gebrauchsunterschied vor, der z. T. auch als Bedeutungsdifferenzierung interpretiert wird: "die Lande" ('eine Region als Ganzes')/"die Länder" ('Einzelregionen')*.
Sprachgeschichtlich läßt sich die Doppelform des Plurals bis ins Mittelhochdeutsche zurückverfolgen: Durch die seit germanischer Zeit übliche Stammsilbenbetonung kam es zu einer Abschwächung der Nebensilben. Nun war "land/lant", wie viele andere Neutra auch, im Nominativ und Akkusativ Plural endungslos. Um eine Differenzierung zwischen Singular und Plural zu ermöglichen, gab es einen Analogie-Ausgleich, im Zuge dessen der "-er"-Plural einiger Neutra (z. B. lamb - lember > neuhochdeutsch: Lamm - Lämmer) auf alle einsilbigen Neutra übertragen wurde. Daher rührt die Pluralform "Länder".
Eine andere Möglichkeit zur Numerusdifferenzierung war die Bildung des Nom./Akk. Pl. in Analogie zu den starken Maskulina (z. B. tag/tac - tage > nhd.: Tag - Tage). Auf diese Weise entstand der Plural "Lande". In der Zeit vom 15. bis zum 17. Jh. wurden beide Analogieformen nebeneinander verwendet, danach setzte sich zumeist die Neutra-Analogie (= die Pluralform auf "-er") durch. Deshalb ist "Länder" bis heute die gebräuchlichere Pluralform von "Land".
Dennoch sollten wir es respektieren, daß sich in der Bezeichnung "Niederlande" für unseren Nachbarstaat die weniger verbreitete Form "Lande" erhalten hat, und diese auch korrekt flektieren.
Ein Beispielsatz für jeden Kasus:
Nom.: Die Niederlande spielten gegen Rußland.
Gen.: Die Niederlage der Niederlande überraschte.
Dat.: Den Niederlanden gelang gestern kaum ein Spielzug.
Akk.: Wir wollen die Niederlande bei der WM 2010 wiedersehen.
Zur Erinnerung: "Niederlande" ist IMMER Plural!
* Quelle: Duden, Grammatik der deutschen Gegenwartssprache. Hrsg. von der Dudenredaktion. 6., neu bearb. Auflage. Mannheim u. a.: 1998.
Meine Güte, sollte ihnen tatsächlich noch niemand gesagt haben, daß "die Niederlande" ein Plural ist?! (Genauer gesagt: ein Pluraletantum, d. h. ein Substantiv, das ausschließlich im Plural belegt ist!) Und daß demnach im Nominativ der Anschluß mit einem Verb im Plural erfolgen muß (z. B.: Die Niederlande haben das Spiel verloren.)?!
Also, für alle Zukurzgekommenen, die auch noch immer von "der USA" [sic!] reden, obwohl es sich bei den USA ebenfalls um einen Plural handelt (nämlich die United States of America = die Vereinigten Staaten von Amerika):
Das Neutrum "Land" hat zwei Pluralformen: "die Lande" und "die Länder". "Länder" wird als unmarkierter Plural gebraucht, während die Verwendung von "Lande" mit dem sprachstilistischen Merkmal "gehoben" gekennzeichnet ist. Somit liegt für die beiden Pluralformen ein Gebrauchsunterschied vor, der z. T. auch als Bedeutungsdifferenzierung interpretiert wird: "die Lande" ('eine Region als Ganzes')/"die Länder" ('Einzelregionen')*.
Sprachgeschichtlich läßt sich die Doppelform des Plurals bis ins Mittelhochdeutsche zurückverfolgen: Durch die seit germanischer Zeit übliche Stammsilbenbetonung kam es zu einer Abschwächung der Nebensilben. Nun war "land/lant", wie viele andere Neutra auch, im Nominativ und Akkusativ Plural endungslos. Um eine Differenzierung zwischen Singular und Plural zu ermöglichen, gab es einen Analogie-Ausgleich, im Zuge dessen der "-er"-Plural einiger Neutra (z. B. lamb - lember > neuhochdeutsch: Lamm - Lämmer) auf alle einsilbigen Neutra übertragen wurde. Daher rührt die Pluralform "Länder".
Eine andere Möglichkeit zur Numerusdifferenzierung war die Bildung des Nom./Akk. Pl. in Analogie zu den starken Maskulina (z. B. tag/tac - tage > nhd.: Tag - Tage). Auf diese Weise entstand der Plural "Lande". In der Zeit vom 15. bis zum 17. Jh. wurden beide Analogieformen nebeneinander verwendet, danach setzte sich zumeist die Neutra-Analogie (= die Pluralform auf "-er") durch. Deshalb ist "Länder" bis heute die gebräuchlichere Pluralform von "Land".
Dennoch sollten wir es respektieren, daß sich in der Bezeichnung "Niederlande" für unseren Nachbarstaat die weniger verbreitete Form "Lande" erhalten hat, und diese auch korrekt flektieren.
Ein Beispielsatz für jeden Kasus:
Nom.: Die Niederlande spielten gegen Rußland.
Gen.: Die Niederlage der Niederlande überraschte.
Dat.: Den Niederlanden gelang gestern kaum ein Spielzug.
Akk.: Wir wollen die Niederlande bei der WM 2010 wiedersehen.
Zur Erinnerung: "Niederlande" ist IMMER Plural!
* Quelle: Duden, Grammatik der deutschen Gegenwartssprache. Hrsg. von der Dudenredaktion. 6., neu bearb. Auflage. Mannheim u. a.: 1998.
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Donnerstag, 29. Mai 2008
"austauschen" vs. "ersetzen durch"
Werbung im Privatradio. Eine Kinderstimme verkündet stolz: "Ich habe in meinem Puppenhaus alle Glühbirnen durch Energiesparlampen ausgetauscht."
An und für sich ein löbliches Ansinnen, nur leider grammatisch nicht korrekt formuliert. "austauschen" steht ohne Präposition. In der Semantik des Verbs ist die Bedeutung "durch ein Äquivalent ersetzen" bereits inhärent. "etwas austauschen" heißt also, "x1 durch x2 ersetzen", wobei "x" z. B. eine Glühlampe sein kann.
Handelt es sich, wie im oben geschilderten Fall, nicht um einen gleichwertigen Ersatz, läuft dies der Semantik von "austauschen" zuwider. Demnach ist die Aussage "etwas (x) durch etwas anderes (y) austauschen" nicht zulässig.
Der Satz hätte richtig lauten müssen: "Ich habe in meinem Puppenhaus alle Glühbirnen durch Energiesparlampen ersetzt."
Denn im Gegensatz zu "austauschen" ist "ersetzen" mit der Präposition "durch" kompatibel. Die Bedeutung läßt sich dabei wie folgt formalisieren: "etwas (x) anstelle von etwas anderem (y) verwenden". "ersetzen" ohne Präposition ist hingegen synonym mit "austauschen": "etwas1 (x1) anstelle von etwas2 (x2) verwenden".
Somit ist "ersetzen (durch)" hinsichtlich seiner Bedeutung weiter gefaßt als "austauschen": Wird das, was anstelle von x verwendet wird, nicht spezifiziert, impliziert "ersetzen" "x1 anstelle von x2 verwenden" = Äquivalenz. Findet dagegen eine Spezifizierung des alternativ verwendeten Gegenstands statt (z. B. "Glühlampe durch Energiesparlampe ersetzen"), liegt hier ein nicht äquivalenter Austausch vor = "etwas (x) anstelle von etwas anderem (y) verwenden".
Oder kurz zusammengefaßt:
austauschen (x1,x2)
*austauschen durch (x,y)
ersetzen (x1,x2)
ersetzen durch (x,y)
Man könnte nun argumentieren: "Wozu die ganze Aufregung, Kinder produzieren einfach von Zeit zu Zeit ungrammatische Sätze." - Richtig, allerdings wird Werbung eben nicht von Kindern, sondern von Erwachsenen gemacht. Und ich kann nichts Amüsantes daran finden, Kindern Fehler in den Mund zu legen. Wie sollen sie denn jemals eine Intuition für Sprachregeln entwickeln, wenn sie ständig mit mißlungenen Konstruktionen konfrontiert werden?
Warum traut man es einem Kind von heute nicht mehr zu, "ersetzen" zu sagen? Anscheinend war den Werbeleuten nicht bewußt, daß dieses als altmodisch empfundene Verb nicht in jeder Satzkonstruktion durch "austauschen" adäquat vertreten wird.
Die Sprache unter dem Joch der Beschränktheit...
An und für sich ein löbliches Ansinnen, nur leider grammatisch nicht korrekt formuliert. "austauschen" steht ohne Präposition. In der Semantik des Verbs ist die Bedeutung "durch ein Äquivalent ersetzen" bereits inhärent. "etwas austauschen" heißt also, "x1 durch x2 ersetzen", wobei "x" z. B. eine Glühlampe sein kann.
Handelt es sich, wie im oben geschilderten Fall, nicht um einen gleichwertigen Ersatz, läuft dies der Semantik von "austauschen" zuwider. Demnach ist die Aussage "etwas (x) durch etwas anderes (y) austauschen" nicht zulässig.
Der Satz hätte richtig lauten müssen: "Ich habe in meinem Puppenhaus alle Glühbirnen durch Energiesparlampen ersetzt."
Denn im Gegensatz zu "austauschen" ist "ersetzen" mit der Präposition "durch" kompatibel. Die Bedeutung läßt sich dabei wie folgt formalisieren: "etwas (x) anstelle von etwas anderem (y) verwenden". "ersetzen" ohne Präposition ist hingegen synonym mit "austauschen": "etwas1 (x1) anstelle von etwas2 (x2) verwenden".
Somit ist "ersetzen (durch)" hinsichtlich seiner Bedeutung weiter gefaßt als "austauschen": Wird das, was anstelle von x verwendet wird, nicht spezifiziert, impliziert "ersetzen" "x1 anstelle von x2 verwenden" = Äquivalenz. Findet dagegen eine Spezifizierung des alternativ verwendeten Gegenstands statt (z. B. "Glühlampe durch Energiesparlampe ersetzen"), liegt hier ein nicht äquivalenter Austausch vor = "etwas (x) anstelle von etwas anderem (y) verwenden".
Oder kurz zusammengefaßt:
austauschen (x1,x2)
*austauschen durch (x,y)
ersetzen (x1,x2)
ersetzen durch (x,y)
Man könnte nun argumentieren: "Wozu die ganze Aufregung, Kinder produzieren einfach von Zeit zu Zeit ungrammatische Sätze." - Richtig, allerdings wird Werbung eben nicht von Kindern, sondern von Erwachsenen gemacht. Und ich kann nichts Amüsantes daran finden, Kindern Fehler in den Mund zu legen. Wie sollen sie denn jemals eine Intuition für Sprachregeln entwickeln, wenn sie ständig mit mißlungenen Konstruktionen konfrontiert werden?
Warum traut man es einem Kind von heute nicht mehr zu, "ersetzen" zu sagen? Anscheinend war den Werbeleuten nicht bewußt, daß dieses als altmodisch empfundene Verb nicht in jeder Satzkonstruktion durch "austauschen" adäquat vertreten wird.
Die Sprache unter dem Joch der Beschränktheit...
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Sonntag, 11. Mai 2008
Volksverdummung
Liebe Mitarbeiter der PR-Abteilung von Zott: Da ist Euch ja ein echter Coup gelungen. Euer neues Molkerei-Produkt mit dem Namen "La Dessert" zu versehen, war wirklich eine geniale Idee. Bestimmt wird jeder sofort durchschauen, daß Ihr absichtlich den falschen, femininen Artikel "la" gewählt habt, um Eurem Joghurt neben französischer Raffinesse auch einen Hauch italienischer Leichtigkeit zu verleihen. Besonders alle, die des Französischen auch nur ansatzweise mächtig sind, werden sich über dieses gelungene Sprachspiel köstlich amüsieren.
Vielleicht aber werden alle mündigen Konsumenten, die sich nicht von ein paar überbezahlten Sprachdilettanten für dumm verkaufen lassen wollen, am Kühlregal einen großen Bogen um das neue Produkt machen. Solange, bis dessen scheußlicher Name in das korrekte "Le Dessert" oder etwas ganz anderes umgeändert wird.
Vorsätzlich Fehler zu machen, mag in der Jugend- oder Straßensprache modern sein. Für ein namhaftes Unternehmen ist es jedoch einfach nur peinlich, den offensichtlichen Mangel an Kreativität durch derlei erzwungene Originalität = Abweichung kaschieren zu wollen!
Da können einem echt alle Französischlehrer leid tun, die ihren Schülern diese Flausen hernach wieder austreiben sollen. Stimmt das weitverbreitete Vorurteil, daß Fernsehen und vor allem Werbung dumm macht, also doch?
Allerdings besteht noch Hoffnung auf Besserung: So wurde aus Dr. Oetkers Puddingdessert "Paula's" nach einiger Zeit heimlich, still und leise "Paula" ohne sächsischen Genitiv. Haben hier vielleicht ein paar Deutschlehrer ihre Stimme zum Protest erhoben, weil "Paulas" Hauptzielgruppe Kinder sind?
Weiter so!!! Nur mutig gestritten!
Euer ZOTTeliges Mammut
Vielleicht aber werden alle mündigen Konsumenten, die sich nicht von ein paar überbezahlten Sprachdilettanten für dumm verkaufen lassen wollen, am Kühlregal einen großen Bogen um das neue Produkt machen. Solange, bis dessen scheußlicher Name in das korrekte "Le Dessert" oder etwas ganz anderes umgeändert wird.
Vorsätzlich Fehler zu machen, mag in der Jugend- oder Straßensprache modern sein. Für ein namhaftes Unternehmen ist es jedoch einfach nur peinlich, den offensichtlichen Mangel an Kreativität durch derlei erzwungene Originalität = Abweichung kaschieren zu wollen!
Da können einem echt alle Französischlehrer leid tun, die ihren Schülern diese Flausen hernach wieder austreiben sollen. Stimmt das weitverbreitete Vorurteil, daß Fernsehen und vor allem Werbung dumm macht, also doch?
Allerdings besteht noch Hoffnung auf Besserung: So wurde aus Dr. Oetkers Puddingdessert "Paula's" nach einiger Zeit heimlich, still und leise "Paula" ohne sächsischen Genitiv. Haben hier vielleicht ein paar Deutschlehrer ihre Stimme zum Protest erhoben, weil "Paulas" Hauptzielgruppe Kinder sind?
Weiter so!!! Nur mutig gestritten!
Euer ZOTTeliges Mammut
Montag, 10. März 2008
Mars-Mitbringsel mißfällt mißmutigem Mammut
Der Süßwarenhersteller Mars hat bei der Abnahme seiner neuen Amicelli-Anzeigenkampagne offensichtlich wenig Sorgfalt walten lassen. Wie sonst konnte es passieren, daß der öffentliche Raum mit Plakatierungen verunziert wird, die neben dem Claim auch folgende Formulierung enthalten:
"Die kann ich überall mitbringen."
Entschuldigung, die Damen und Herren Werbetexter, nicht alles, was womöglich gut klingt, ist auch tatsächlich grammatisch. Der oben zitierte Satz ist es jedenfalls ganz sicher nicht.
Ich darf zur Erläuterung des Problems den Wörterbucheintrag von "mitbringen" heranziehen:
Also: "jmdn. oder etwas mit an den Ort bringen, an den man sich begibt". Für einen korrekten grammatischen Satz mit dem transitiven Verb "mitbringen" braucht es somit ein Subjekt und ein Akkusativobjekt. Ein Beispiel: Sie bringt die Blumen mit.
Fakultativ kann noch eine Lokalbestimmung hinzugefügt werden, die den Ort, an den man etwas mitbringt, angibt. Zum Beispiel: Peter brachte seine neue Freundin auf die Party mit. Anna brachte ihren Teddy mit in die Kinderkrippe.
Die lokale Adverbialbestimmung läßt sich mit wohin? erfragen. Zum Beispiel: Wohin brachte Peter seine neue Freundin mit? Antwort: Auf die Party. Wohin brachte Anna ihren Teddy mit? Antwort: In die Kinderkrippe. Das heißt, es handelt es sich in beiden Fällen um eine Richtungsangabe.
Die Konsequenz für den Amicelli-Satz lautet: "Die kann ich überall mitbringen" ist deshalb ungrammatisch, weil "mitbringen" nicht in Verbindung mit einem Ortsadverb (z. B. überall) funktioniert. Die Frageprobe verdeutlicht dies: *Wo kann ich die mitbringen? Antwort: Überall.
"mitbringen" verlangt nach einem Richtungsadverb (z. B. überallhin, überallher). Die Frageprobe erfolgt dann mit wohin? oder woher?. Zum Beispiel: Wohin kann ich die mitbringen? Antwort: Überallhin. Woher kann ich die mitbringen? Antwort: Überallher.
Die Amicelli-Werbung sollte demnach folgenden Wortlaut haben: "Die kann ich überallhin mitbringen."
Bring it on home to me...
"Die kann ich überall mitbringen."
Entschuldigung, die Damen und Herren Werbetexter, nicht alles, was womöglich gut klingt, ist auch tatsächlich grammatisch. Der oben zitierte Satz ist es jedenfalls ganz sicher nicht.
Ich darf zur Erläuterung des Problems den Wörterbucheintrag von "mitbringen" heranziehen:
- mit|brin|gen [V.21, hat mitgebracht; mit Akk.] jmdn. oder etwas m. mit an den Ort bringen, an den man sich begibt; er hat einen Gast, ein Geschenk mitgebracht; er bringt für diese Aufgabe die nötigen Voraussetzungen mit [übertr.] er hat, besitzt für diese Aufgabe die nötigen Voraussetzungen
Also: "jmdn. oder etwas mit an den Ort bringen, an den man sich begibt". Für einen korrekten grammatischen Satz mit dem transitiven Verb "mitbringen" braucht es somit ein Subjekt und ein Akkusativobjekt. Ein Beispiel: Sie bringt die Blumen mit.
Fakultativ kann noch eine Lokalbestimmung hinzugefügt werden, die den Ort, an den man etwas mitbringt, angibt. Zum Beispiel: Peter brachte seine neue Freundin auf die Party mit. Anna brachte ihren Teddy mit in die Kinderkrippe.
Die lokale Adverbialbestimmung läßt sich mit wohin? erfragen. Zum Beispiel: Wohin brachte Peter seine neue Freundin mit? Antwort: Auf die Party. Wohin brachte Anna ihren Teddy mit? Antwort: In die Kinderkrippe. Das heißt, es handelt es sich in beiden Fällen um eine Richtungsangabe.
Die Konsequenz für den Amicelli-Satz lautet: "Die kann ich überall mitbringen" ist deshalb ungrammatisch, weil "mitbringen" nicht in Verbindung mit einem Ortsadverb (z. B. überall) funktioniert. Die Frageprobe verdeutlicht dies: *Wo kann ich die mitbringen? Antwort: Überall.
"mitbringen" verlangt nach einem Richtungsadverb (z. B. überallhin, überallher). Die Frageprobe erfolgt dann mit wohin? oder woher?. Zum Beispiel: Wohin kann ich die mitbringen? Antwort: Überallhin. Woher kann ich die mitbringen? Antwort: Überallher.
Die Amicelli-Werbung sollte demnach folgenden Wortlaut haben: "Die kann ich überallhin mitbringen."
Bring it on home to me...
Mittwoch, 27. Februar 2008
Zähneknirschen, Kieferknacken
So manchem scheint die Unterscheidung zwischen den Homonymen Kiefer1 und Kiefer2 große Schwierigkeiten zu bereiten, wie folgendes Zitat beweist:
"Es war ein tiefes, herzhaftes Gähnen, das ihre Kiefern [!] knacken ließ (...)."
Zur Erklärung eine Gegenüberstellung der Wörterbucheinträge für Kiefer1 und Kiefer2 (aus: Duden, Bd. 1, Die deutsche Rechtschreibung):
1. Kie|fer, die; -, -n (ein Nadelbaum)
2. Kie|fer, der; -s, - (ein Schädelknochen)
Kiefer1 hat feminines Genus und im Plural in allen vier Kasus ein "-n" als Kasusmarker. Kiefer2 hingegen ist ein Maskulinum, das einzig im Dat. Pl. den Kasusmarker "-n" nimmt, im Nom., Gen. und Akk. Pl. jedoch endungslos bleibt.
Da das oben angeführte Zitat eindeutig auf Kiefer2 Bezug nimmt, sollte der dort verwendete Akk. Pl. demnach grammatisch korrekt "Kiefer" lauten.
Also: "Es war ein tiefes, herzhaftes Gähnen, das ihre Kiefer knacken ließ (...)."
Ein paar Beispielsätze:
Kiefer1:
Nom. Pl.: "Die Kiefern wiegten sich sanft im Sommerwind."
Gen. Pl.: "Die Stämme der Kiefern hatten alle einen ähnlichen Umfang."
Dat. Pl.: "Mit den Kiefern verschwanden auch die Buchen, Birken und Eichen."
Akk. Pl.: "Sie gingen in den Wald und betrachteten die Kiefern, die seit dem letzten Sommer ein gutes Stück gewachsen waren."
Kiefer2:
Nom. Pl.: "Seine Kiefer schmerzten."
Gen. Pl.: "Der zunehmende Verschleiß seiner Kiefer beunruhigte ihn."
Dat. Pl.: "Es wird davon abgeraten, Nüsse mit den Kiefern aufzuknacken."
Akk. Pl.: "Durch den täglichen Verzehr von Haferflocken hatte sie ihre Kiefer arg strapaziert."
Das zornige Mammut verabschiedet sich für heute zähneknirschend mit zwei hölzernen Merksätzen:
Wenn Kiefern knacken, Stämme brechen,
kann diese nicht der Orthopäde retten.
Kranke Kiefer, die dich plagen? -
Kein Grund, den Holzfäller zu fragen!
"Es war ein tiefes, herzhaftes Gähnen, das ihre Kiefern [!] knacken ließ (...)."
Zur Erklärung eine Gegenüberstellung der Wörterbucheinträge für Kiefer1 und Kiefer2 (aus: Duden, Bd. 1, Die deutsche Rechtschreibung):
1. Kie|fer, die; -, -n (ein Nadelbaum)
2. Kie|fer, der; -s, - (ein Schädelknochen)
Kiefer1 hat feminines Genus und im Plural in allen vier Kasus ein "-n" als Kasusmarker. Kiefer2 hingegen ist ein Maskulinum, das einzig im Dat. Pl. den Kasusmarker "-n" nimmt, im Nom., Gen. und Akk. Pl. jedoch endungslos bleibt.
Da das oben angeführte Zitat eindeutig auf Kiefer2 Bezug nimmt, sollte der dort verwendete Akk. Pl. demnach grammatisch korrekt "Kiefer" lauten.
Also: "Es war ein tiefes, herzhaftes Gähnen, das ihre Kiefer knacken ließ (...)."
Ein paar Beispielsätze:
Kiefer1:
Nom. Pl.: "Die Kiefern wiegten sich sanft im Sommerwind."
Gen. Pl.: "Die Stämme der Kiefern hatten alle einen ähnlichen Umfang."
Dat. Pl.: "Mit den Kiefern verschwanden auch die Buchen, Birken und Eichen."
Akk. Pl.: "Sie gingen in den Wald und betrachteten die Kiefern, die seit dem letzten Sommer ein gutes Stück gewachsen waren."
Kiefer2:
Nom. Pl.: "Seine Kiefer schmerzten."
Gen. Pl.: "Der zunehmende Verschleiß seiner Kiefer beunruhigte ihn."
Dat. Pl.: "Es wird davon abgeraten, Nüsse mit den Kiefern aufzuknacken."
Akk. Pl.: "Durch den täglichen Verzehr von Haferflocken hatte sie ihre Kiefer arg strapaziert."
Das zornige Mammut verabschiedet sich für heute zähneknirschend mit zwei hölzernen Merksätzen:
Wenn Kiefern knacken, Stämme brechen,
kann diese nicht der Orthopäde retten.
Kranke Kiefer, die dich plagen? -
Kein Grund, den Holzfäller zu fragen!
Samstag, 26. Januar 2008
Zum Genus von "Prospekt"
Ist es korrekt, wenn in einer deutschen Tageszeitung auf "das beiliegende Prospekt" verwiesen wird? - Ganz klar: Nein!!! Ich zitiere dazu das Deutsche Universalwörterbuch des Duden Verlages: "Pros|pekt, der, österr. auch: das (...)". Fazit: In Deutschland heißt es "der Prospekt"!!!
Es wäre schön, wenn nicht ständig die unreflektierten Äußerungen Unwissender von Gleichgültigen (oder umgekehrt) wiedergekäut würden!
Dieser Wunsch wird sich wohl nicht erfüllen, auch weil inzwischen jeder Trottel bei der Zeitung oder beim Fernsehen arbeiten darf, selbst wenn er weder über Sprachgefühl noch -kenntnis verfügt.
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