Posts mit dem Label werbung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label werbung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 14. Januar 2009

Politisch korrekt oder opportunistisch?

Eine Nachricht flattert durch den Blätterwald: Tchibo und Esso haben ihre gemeinsame Werbeaktion gestoppt, weil ihnen der beabsichtigte Slogan "Jedem den Seinen" (auf Kaffee bezogen) dann doch seltsam anrüchig erschien... Er gemahne zu sehr an den Spruch "Jedem das Seine", den die Nationalsozialisten in den Konzentrationslagern verwendet hatten, um Juden und andere Inhaftierte zu verhöhnen.

Man will niemandem zu nahe treten und fürchtet, die Befindlichkeiten Betroffener könnten verletzt werden. So weit, so gut. Doch immerhin ist der genannte Aphorismus keine Erfindung Nazi-Deutschlands, sondern stammt vom römischen Feldherrn und Schriftsteller Cato. Er existierte also lange, bevor er so zynisch zweckentfremdet wurde, und hat trotzdem nichts von seiner Gültigkeit verloren.

Muß ein Ausspruch - moralisch - indiziert werden, weil er von Unwürdigen benutzt und beschmutzt worden ist?

Ich glaube nicht.

Wider die Selbstzensur!

Sonntag, 14. September 2008

Telekom-Werbeterror

Eine Frage an die Verantwortlichen der Telekom: Muß eigentlich in fast jeder Werbepause Paul Potts "Nessun dorma" singen? Glaubt Ihr nicht auch, daß Puccinis grandiose Arie dadurch zum Pausenfüller herabgewürdigt wird?

Nun ja, natürlich verfehlt es seine Wirkung nicht: Gänsehaut auf Abruf, alle 25 Minuten. Man fühlt sich als Zuschauer wie einer der berühmten Pawlowschen Hunde, Druck auf die Tränendrüsen statt Speichelfluß...

Ist Euch das egal, weil Ihr Euch davon größeren Zuspruch für Eure Telefon- und Onlinedienste erhofft?

Paul Potts, "der Mann aus der Telekom-Werbung" (Plakat) oder auch spöttisch "der singende Telefonverkäufer" (mdr info; ziemlich clever, weil in zweifacher Hinsicht zutreffend!) erobert inzwischen die Hitparaden und tritt bei allen nur erdenklichen Anlässen (sogar Fußballspielen!) auf - als fürchte er selbst die Vergänglichkeit seines Ruhms.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Der Erfolg sei ihm gegönnt. Er singt wirklich herzergreifend.

Aber: Seine omnimediale Dauerpräsenz ruft bei mir mittlerweile Abwehrreaktionen hervor. Derart, daß ich jedes Mal wegschalte, sobald besagter Werbespot anfängt!

Ist es das, was Ihr wollt, liebe Freunde von der Telekom?

Donnerstag, 29. Mai 2008

"austauschen" vs. "ersetzen durch"

Werbung im Privatradio. Eine Kinderstimme verkündet stolz: "Ich habe in meinem Puppenhaus alle Glühbirnen durch Energiesparlampen ausgetauscht."

An und für sich ein löbliches Ansinnen, nur leider grammatisch nicht korrekt formuliert. "austauschen" steht ohne Präposition. In der Semantik des Verbs ist die Bedeutung "durch ein Äquivalent ersetzen" bereits inhärent. "etwas austauschen" heißt also, "x1 durch x2 ersetzen", wobei "x" z. B. eine Glühlampe sein kann.

Handelt es sich, wie im oben geschilderten Fall, nicht um einen gleichwertigen Ersatz, läuft dies der Semantik von "austauschen" zuwider. Demnach ist die Aussage "etwas (x) durch etwas anderes (y) austauschen" nicht zulässig.

Der Satz hätte richtig lauten müssen: "Ich habe in meinem Puppenhaus alle Glühbirnen durch Energiesparlampen ersetzt."

Denn im Gegensatz zu "austauschen" ist "ersetzen" mit der Präposition "durch" kompatibel. Die Bedeutung läßt sich dabei wie folgt formalisieren: "etwas (x) anstelle von etwas anderem (y) verwenden". "ersetzen" ohne Präposition ist hingegen synonym mit "austauschen": "etwas1 (x1) anstelle von etwas2 (x2) verwenden".

Somit ist "ersetzen (durch)" hinsichtlich seiner Bedeutung weiter gefaßt als "austauschen": Wird das, was anstelle von x verwendet wird, nicht spezifiziert, impliziert "ersetzen" "x1 anstelle von x2 verwenden" = Äquivalenz. Findet dagegen eine Spezifizierung des alternativ verwendeten Gegenstands statt (z. B. "Glühlampe durch Energiesparlampe ersetzen"), liegt hier ein nicht äquivalenter Austausch vor = "etwas (x) anstelle von etwas anderem (y) verwenden".

Oder kurz zusammengefaßt:

austauschen (x1,x2)
*austauschen durch (x,y)

ersetzen (x1,x2)
ersetzen durch (x,y)

Man könnte nun argumentieren: "Wozu die ganze Aufregung, Kinder produzieren einfach von Zeit zu Zeit ungrammatische Sätze." - Richtig, allerdings wird Werbung eben nicht von Kindern, sondern von Erwachsenen gemacht. Und ich kann nichts Amüsantes daran finden, Kindern Fehler in den Mund zu legen. Wie sollen sie denn jemals eine Intuition für Sprachregeln entwickeln, wenn sie ständig mit mißlungenen Konstruktionen konfrontiert werden?

Warum traut man es einem Kind von heute nicht mehr zu, "ersetzen" zu sagen? Anscheinend war den Werbeleuten nicht bewußt, daß dieses als altmodisch empfundene Verb nicht in jeder Satzkonstruktion durch "austauschen" adäquat vertreten wird.

Die Sprache unter dem Joch der Beschränktheit...

Sonntag, 11. Mai 2008

Volksverdummung

Liebe Mitarbeiter der PR-Abteilung von Zott: Da ist Euch ja ein echter Coup gelungen. Euer neues Molkerei-Produkt mit dem Namen "La Dessert" zu versehen, war wirklich eine geniale Idee. Bestimmt wird jeder sofort durchschauen, daß Ihr absichtlich den falschen, femininen Artikel "la" gewählt habt, um Eurem Joghurt neben französischer Raffinesse auch einen Hauch italienischer Leichtigkeit zu verleihen. Besonders alle, die des Französischen auch nur ansatzweise mächtig sind, werden sich über dieses gelungene Sprachspiel köstlich amüsieren.

Vielleicht aber werden alle mündigen Konsumenten, die sich nicht von ein paar überbezahlten Sprachdilettanten für dumm verkaufen lassen wollen, am Kühlregal einen großen Bogen um das neue Produkt machen. Solange, bis dessen scheußlicher Name in das korrekte "Le Dessert" oder etwas ganz anderes umgeändert wird.

Vorsätzlich Fehler zu machen, mag in der Jugend- oder Straßensprache modern sein. Für ein namhaftes Unternehmen ist es jedoch einfach nur peinlich, den offensichtlichen Mangel an Kreativität durch derlei erzwungene Originalität = Abweichung kaschieren zu wollen!

Da können einem echt alle Französischlehrer leid tun, die ihren Schülern diese Flausen hernach wieder austreiben sollen. Stimmt das weitverbreitete Vorurteil, daß Fernsehen und vor allem Werbung dumm macht, also doch?

Allerdings besteht noch Hoffnung auf Besserung: So wurde aus Dr. Oetkers Puddingdessert "Paula's" nach einiger Zeit heimlich, still und leise "Paula" ohne sächsischen Genitiv. Haben hier vielleicht ein paar Deutschlehrer ihre Stimme zum Protest erhoben, weil "Paulas" Hauptzielgruppe Kinder sind?

Weiter so!!! Nur mutig gestritten!

Euer ZOTTeliges Mammut

Montag, 10. März 2008

Mars-Mitbringsel mißfällt mißmutigem Mammut

Der Süßwarenhersteller Mars hat bei der Abnahme seiner neuen Amicelli-Anzeigenkampagne offensichtlich wenig Sorgfalt walten lassen. Wie sonst konnte es passieren, daß der öffentliche Raum mit Plakatierungen verunziert wird, die neben dem Claim auch folgende Formulierung enthalten:

"Die kann ich überall mitbringen."

Entschuldigung, die Damen und Herren Werbetexter, nicht alles, was womöglich gut klingt, ist auch tatsächlich grammatisch. Der oben zitierte Satz ist es jedenfalls ganz sicher nicht.

Ich darf zur Erläuterung des Problems den Wörterbucheintrag von "mitbringen" heranziehen:
  • mit|brin|gen [V.21, hat mitgebracht; mit Akk.] jmdn. oder etwas m. mit an den Ort bringen, an den man sich begibt; er hat einen Gast, ein Geschenk mitgebracht; er bringt für diese Aufgabe die nötigen Voraussetzungen mit [übertr.] er hat, besitzt für diese Aufgabe die nötigen Voraussetzungen
(aus: Wahrig Deutsches Wörterbuch, Bertelsmann)

Also: "jmdn. oder etwas mit an den Ort bringen, an den man sich begibt". Für einen korrekten grammatischen Satz mit dem transitiven Verb "mitbringen" braucht es somit ein Subjekt und ein Akkusativobjekt. Ein Beispiel: Sie bringt die Blumen mit.

Fakultativ kann noch eine Lokalbestimmung hinzugefügt werden, die den Ort, an den man etwas mitbringt, angibt.
Zum Beispiel: Peter brachte seine neue Freundin auf die Party mit. Anna brachte ihren Teddy mit in die Kinderkrippe.

Die lokale Adverbialbestimmung läßt sich mit wohin? erfragen. Zum Beispiel: Wohin brachte Peter seine neue Freundin mit? Antwort: Auf die Party. Wohin brachte Anna ihren Teddy mit? Antwort: In die Kinderkrippe. Das heißt, es handelt es sich in beiden Fällen um eine Richtungsangabe.

Die Konsequenz für den Amicelli-Satz lautet: "Die kann ich überall mitbringen" ist deshalb ungrammatisch, weil "mitbringen" nicht in Verbindung mit einem Ortsadverb (z. B. überall) funktioniert. Die Frageprobe verdeutlicht dies: *Wo kann ich die mitbringen? Antwort: Überall.

"mitbringen" verlangt nach einem Richtungsadverb (z. B. überallhin, überallher). Die Frageprobe erfolgt dann mit wohin? oder woher?. Zum Beispiel: Wohin kann ich die mitbringen? Antwort: Überallhin. Woher kann ich die mitbringen? Antwort: Überallher.

Die Amicelli-Werbung sollte demnach folgenden Wortlaut haben: "Die kann ich überallhin mitbringen."

Bring it on home to me...