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Sonntag, 22. Februar 2009

Wie viele Tage hat ein Wochenende?

Ebendiese Frage stellt sich das Mammut, wenn es die Formulierung "an allen Tagen des Wochenendes" hört.

Zählt auch der Freitagabend dazu, obgleich der Freitag selbst unzweifelhaft ein Wochentag ist?

Oder umfaßt das Wochenende, wie man gemeinhin annehmen würde, nur Samstag und Sonntag, wozu dann eine solch unpräzise Ausdrucksweise, wenn man einfach "am Samstag und Sonntag" sagen könnte?

Some Days are better than others

Sonntag, 15. Februar 2009

Numeruskongruenz

Immer mehr Menschen scheinen unüberwindbare Schwierigkeiten bei der Konstruktion grammatisch kongruenter Sätze zu haben.

Ein Beispiel, stellvertretend für viele andere - Sängerin Helene Fischer bei mdr info: "Mein Team, die mich gepusht haben ..."

AUTSCH!

"das Team" = grammatischer Singular!

Korrekt hätte der Satz also lauten müssen: "Mein Team, das mich gepusht hat ..."

Aber interessiert das noch irgend jemanden?

Alle Macht den Stupiden!

Sonntag, 20. Juli 2008

"ohne" + Akkusativ

Heute hat das Mammut eine Frage:

Wie kommt man darauf, "ohne dem" [sic!] zu sagen?

Es heißt "ohne das"!

Interessanterweise würde wohl kaum jemand *"ohne dem Hund" o. ä. produzieren; bei der Struktur Präposition + definiter Artikel + Subjekt besteht das Problem der Kasuswahl also nicht. Vielmehr tritt es nur dann in Erscheinung, wenn "ohne" mit demonstrativem Artikel "das" verwendet wird.

Eine mögliche Ursache für die Wahl des Dativs anstelle des korrekten Akkusativs:

Tendenz zur Sprachökonomie: Der Sprecher will die Struktur vereinfachen und bildet "ohne dem" in Analogie zu "mit dem" mit Dativ, wodurch Syntagmen wie ?"mit oder ohne dem" möglich werden.

Vgl. dazu auch die Struktur Präposition + Personalpronomen: Zum Beispiel engl. "with or without you" vs. dt. "mit dir oder ohne dich", wobei hier anzumerken wäre, daß eine Verkürzung wie "mit oder ohne dich" grammatisch zu sein scheint, während *"mit oder ohne dir" nicht akzeptabel ist. Der Kasus des Personalpronomens wird demnach von der direkt vorausgehenden Präposition vergeben, in diesem Falle "ohne" (+ Akkusativ).

Gleiches gilt auch für Präposition + Demonstrativum "das": "mit oder ohne das" ist grammatisch, "mit oder ohne dem" hingegen allerhöchstens umgangssprachlich akzeptiert.

Es bleibt festzuhalten: Die Kasusrektion von "ohne" erfolgt nicht in Analogie zu der von "mit", d. h. "mit" regiert den Dativ, "ohne" jedoch den Akkusativ.

"mit dem"
"ohne das"

P. S.: Nun aber bitte nicht "ohne das" mit der Nebensatzeinleitung "ohne daß" verwechseln!

Donnerstag, 17. Juli 2008

In The End...

Hallo, liebe Freunde, es gibt Neues von MDR info.

Heute vormittag ereignete sich bei meinem Lieblings-Radiosender doch tatsächlich etwas, das die Hoffnung nährt, es gäbe dort eine alles überwachende Kontrollinstanz zur Verhinderung der schlimmsten Sprachpannen.

Folgendes war passiert: In den 10-Uhr-Nachrichten vermeldete der Sprecher, Sachsen prüfe die Möglichkeit einer Verfassungsklage gegen die Gesundheitsreform der Bundesregierung. Hierauf wurde der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich mit den Worten zitiert, "im Endeffekt" [sic!] drohten der sächsischen Bevölkerung dadurch finanzielle Umverteilungen = Einbußen in Höhe von 300 Millionen Euro.

So ich das vernommen, graute es mir gar sehr. War es nun schon so weit gekommen, daß man selbst im öffentlich-rechtlichen, mithin gebührenfinanzierten Rundfunk mit derlei Schwachheiten konfrontiert wurde? Schwanken zwischen Kopfschütteln und blankem Entsetzen.

Eine halbe Stunde später, der Puls hatte sich wieder beruhigt, die 10.30-Uhr-Nachrichten: Dieselbe Meldung, Warten auf die betreffende Stelle, doch siehe da! - "schlußendlich" sagt der Nachrichtenmann. Zeichen und Wunder, ungläubiges Staunen. Hat da etwa jemand interveniert? Ein wackerer Radiohörer, der zum Telefonhörer griff? Ein aufmerksamer Chefredakteur, der seinen Pflichten Genüge tat? - Ich weiß es nicht, werd' es wohl auch nie erfahren.

Und doch, schön war's. Zu wissen, man ist nicht allein. Es gibt noch andere, die sich daran stören. Großartig!

Wen kümmert's da, daß "schlußendlich" eigentlich auch nicht der korrekte Ausdruck war? Ist es doch als landschaftlich markiert. Neutral und unverfänglich hätte es demnach heißen müssen: "letztendlich". Ganz schlicht und einfach.

Übrigens: Welche Worte Stanislaw Tillich nun ursprünglich gewählt hatte, entzieht sich meiner Kenntnis.

Montag, 30. Juni 2008

Bezahlen Sie mit Ihrem guten Namen...

Im Kleingedruckten für ein Abonnement der Zeitschrift freundin fand sich folgendes Kuriosum:

"Der Versand ist nur innerhalb Deutschlands möglich und erfolgt per Nachname."


Vielleicht sollte man das doch noch mal von der Rechtsabteilung überprüfen lassen?

Montag, 16. Juni 2008

Integration und nationale Identität

Eine Frage hinsichtlich der allseits präsenten Fußball-Euphorie:

Wie kommt es, daß in Deutschland geborene Türken Fans der türkischen Elf sind, während im Ausland lebende Deutsche (in Deutschland geboren) zu Anhängern der Nationalmannschaft ihres jeweiligen neuen Heimatlandes (z. B. Polen, Brasilien) werden?

Als einzig mögliche Antwort auf diese Frage steht zu vermuten, es müsse an der mangelnden Integration der türkischstämmigen Deutschen liegen. Sie fühlen sich nicht als deutsche Staatsbürger, also können sie sich auch nicht mit der zugehörigen Fußball-Auswahl identifizieren. Klingt folgerichtig, oder?

Läßt diese Erkenntnis nun automatisch den Umkehrschluß zu, andere Nationen verstünden es besser, ihre Zuwanderer zu integrieren, weil deutsche Immigranten relativ schnell die Anschauungen ihrer Wahlheimat übernehmen?

Oder liegt es vielmehr an dem nicht bis kaum vorhandenen Nationalgefühl der Deutschen, daß sie sich in einer fremden Umgebung leicht anpassen können und wollen? Haben wir nicht alle immer noch ein mehr oder minder schlechtes Gewissen dabei, auf unser Land stolz zu sein, als Spätfolge von WK II und Nazi-Mitläufertum?

Die Vernünftigen werden einwenden: Es gibt keinen Grund, auf seine Abstammung stolz zu sein, da sie nicht unser Verdienst, sondern Zufall ist! - Stimmt natürlich, aber würden beispielsweise Brasilianer oder Türken dies genauso sehen? Ist es deshalb so attraktiv, Anhänger von deren Fußballnationalmannschaften zu sein, weil man hier unverkrampft und ganz selbstverständlich für seine Nation jubeln und skandieren darf?

Aber seit der WM 2006 hat sich diesbezüglich ja auch in Deutschland einiges getan, wie wir alle festgestellt haben dürften... Trotzdem bleibt die Frage, ob es Deutschen womöglich peinlich ist, im Ausland zu "ihrer" Mannschaft zu stehen?

Oder gibt ein Deutscher, der dauerhaft in einem anderen Land lebt, seine "alte" Identität völlig auf, um sich gänzlich in der neuen Heimat zu assimilieren, d. h. hört er auf, Deutscher zu sein?

Fragen über Fragen.

Montag, 19. Mai 2008

Gespannte Kurzvokale, Teil III

Es heißt nicht "Choohlera", sondern Cholera!

Auf daß endlich jemand den Verblendeten Erleuchtung verschaffe...

Montag, 7. April 2008

Liebliches Libyen, am Bache so rein...

Wieder einmal ergeht sich das Mammut an dieser Stelle in Medienkritik bzw. -schelte:

Mit anzuhören, wie absolut unkundige Möchtegern-Journalisten die Namen arabischer Staaten verhunzen, ist ein höchst zweifelhaftes Vergnügen, auf das ich gern verzichten würde.

Fall 1: Bahrain. Der Name des Königreichs im Persischen Golf wird oftmals einfach deutsch ausgesprochen, d. h. so wie er sich schreibt, mit einem langen "a", wobei das "h" als Dehnungszeichen interpretiert wird. Dem Durchschnittsbürger ist dies nicht zu verübeln, wer kennt schon alle Länder der Welt, aber von einem Medienvertreter darf man - denke ich - etwas mehr an (Aus-)Bildung erwarten.

Womöglich dünken sich diejenigen, die dergleichen sagen, auch noch im Recht, alldieweil Bahrain im Englischen [ba:ˈreɪn] artikuliert wird, also ebenfalls mit langem "a", ohne "h".

Das mag für das Englische richtig sein, da dieses nicht über einen velaren bzw. uvularen stimmlosen Frikativ (= Ach-Laut) verfügt. Das Deutsche hingegen zählt jenen sehr wohl zu seinen Sprachlauten, deshalb orientiert sich die deutsche Aussprache von Bahrain an der arabischen und lautet somit [baχˈraɪ̯n], mit einem Ach-Laut wie in Bach.

Fall 2: Libyen. Die Artikulation dieses Ländernamens wird zugegebenermaßen durch die im Deutschen ungewöhnliche Schreibung erschwert. Infolgedessen mutiert der nordafrikanische Staat nicht selten zu "Lybien", weil der Sprecher einfach nicht mehr weiß, "ob das 'y' nun vorn oder hinten steht". Im Gegensatz zu dem Personennamen Sibylle, der (wenngleich fälschlich) auch Sybille lauten kann, ist bei Libyen allerdings keine Vertauschung von "i" und "y" zulässig. Es sollte folglich entweder [ˈli:byən] oder [ˈli:biən] heißen, mit langem "i" in der ersten Silbe und kurzem "y" bzw. "i" in der zweiten.

Mögen den meisten Deutschen Libyen und Bahrain auch völlig gleichgültig sein, so gebietet es doch der Respekt vor anderen Völkern und deren Kultur, daß wir uns die (durchaus überschaubare) Mühe machen und die Namen fremder Staaten korrekt aussprechen.

Der Bach, der ist des Müllers Freund,
Und hellblau Liebchens Auge scheint...

Sonntag, 30. März 2008

Oje, o weh, ojemine!

Eine neue sprachliche Unsitte breitet sich aus: Die Adverbien "jemals" und "je" werden anstelle von "... aller Zeiten" verwendet.

Zwei typische Beispiele:

Das beste Video jemals. Die größte Erfindung je.

Dabei handelt es sich um Eins-zu-eins-Übersetzungen der englischen Struktur "... ever", z. B. The best video ever. Inwieweit diese Verwendungsweise im Englischen akzeptabel ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Im Deutschen jedoch sind "jemals" und "je" als nachgestellte Attribute ganz eindeutig ungrammatisch.

Aber eben genau darin besteht ja der Reiz dieser syntaktischen (Fehl-)Konstruktion: auf der immerwährenden Suche nach Veränderung kommt den Neuerern eine Anomalie gerade recht, garantiert sie doch die erwünschte Aufmerksamkeit der Adressaten.

Fragt sich nur, ob deren Reaktion positiv oder negativ ausfällt.

Die unkritische Masse wird's schon schlucken, wie so vieles andere zuvor... Und bald wird es dann an jeder Straßenecke zu hören sein, und in der Werbung sowieso.

Schade eigentlich, daß Sprache allen offensteht...

Statt mich über eine ohnehin unabänderliche Tatsache zu ärgern, sollte ich vielleicht versuchen, das Warum zu ergründen. Et voilà, ich finde folgende Erklärung: "ever" wird in den meisten Fällen mit "je" oder "jemals" übersetzt. Die inakzeptable Verwendung als nachgestelltes Attribut resultiert also möglicherweise aus einem Übersetzungsfehler, der die syntaktischen Beschränkungen von "je" und "jemals" (vermutlich aus Unwissenheit) ignorierte. Hernach wurde jene wohl ursprünglich unbeabsichtigte (um nicht zu sagen: akzidentielle) Kreation dann mit dem Etikett "cool" oder "originell" versehen und erhielt auf diese Weise ihre höchst zweifelhafte Legitimation.

Das Zustandekommen der mißlungenen Übersetzung könnte durch die Konkurrenz der englischen Entsprechung von "... aller Zeiten", "... of all times" begünstigt worden sein. Derart, daß für "... ever" nach einer anderen Übersetzung gesucht wurde, weil "... aller Zeiten" schon als Pendant zu "... of all times" vergeben schien.

Ein etwas antiquiertes Gegenbeispiel: Der US-amerikanische Bibelfilm The Greatest Story Ever Told (1965) trägt in Deutschland den Titel Die größte Geschichte aller Zeiten.

Sprachwandel als Konstante.

Mittwoch, 26. März 2008

Mammut, krisengeschüttelt

Hin und wieder unternimmt das Mammut einen Versuch, die Welt (oder zumindest den darin stattfindenden Sprachgebrauch) zu verbessern. Mit überaus bescheidenem Erfolg, wie man sieht:

Mäkelndes Mammut:

"Krise" schreibt man nicht mit "ie"...

Antwort:

(...) deutsche rechtschreibung lässt auch kriese mit ie schreiben.


- D a s Rechtschreibwörterbuch möchte ich sehen... Schön, daß wir in einer Zeit leben, wo jeder seine Regeln selbst erfindet. Danke, Kultusministerkonferenz! Anarchie und Chaos, sie leben hoch!

Soll ich es nun bedauern oder mich vielmehr glücklich schätzen, keine Lehrerlaufbahn eingeschlagen zu haben? Hätte ich dem Bürschchen sein Schreibheft um die Ohren hauen können... Aber körperliche Züchtigung ist ja verboten. Gut, also erklären wir dem jungen Mann, daß Krise aus dem Griechischen stammt, die deutsche Schreibung mit "i" sich somit am altgriechischen κρίσις orientiert und die deutsche Orthographie in ihrer bekannten Inkonsequenz Langvokale zwar häufig, aber keineswegs immer durch "ie" kennzeichnet.

Krisengebiet deutsche Sprache? Oder alles nur Pseudokrise?

Samstag, 26. Januar 2008

Zum Genus von "Prospekt"

Ist es korrekt, wenn in einer deutschen Tageszeitung auf "das beiliegende Prospekt" verwiesen wird? - Ganz klar: Nein!!! Ich zitiere dazu das Deutsche Universalwörterbuch des Duden Verlages: "Pros|pekt, der, österr. auch: das (...)". Fazit: In Deutschland heißt es "der Prospekt"!!!

Es wäre schön, wenn nicht ständig die unreflektierten Äußerungen Unwissender von Gleichgültigen (oder umgekehrt) wiedergekäut würden!

Dieser Wunsch wird sich wohl nicht erfüllen, auch weil inzwischen jeder Trottel bei der Zeitung oder beim Fernsehen arbeiten darf, selbst wenn er weder über Sprachgefühl noch -kenntnis verfügt.

Donnerstag, 24. Januar 2008

Nachtrag: Anziehend Anzügliches

Gestern ist es wieder passiert. Da sagt doch jemand: "Zieh dir die Brille auf!" - Hallo, "aufziehen" kann man eine Uhr, ein Spielzeugauto, eine Show ("groß aufziehen") oder auch eine Person ("jndn. mit etwas aufziehen"). Brillen werden aufgesetzt, Pullover übergezogen!

Wie hieß das so schön? - "Sie sind Deutsche(r), also können Sie Deutsch."

Ach, wenn dem doch immer so wäre!