Heute hat das Mammut eine Frage:
Wie kommt man darauf, "ohne dem" [sic!] zu sagen?
Es heißt "ohne das"!
Interessanterweise würde wohl kaum jemand *"ohne dem Hund" o. ä. produzieren; bei der Struktur Präposition + definiter Artikel + Subjekt besteht das Problem der Kasuswahl also nicht. Vielmehr tritt es nur dann in Erscheinung, wenn "ohne" mit demonstrativem Artikel "das" verwendet wird.
Eine mögliche Ursache für die Wahl des Dativs anstelle des korrekten Akkusativs:
Tendenz zur Sprachökonomie: Der Sprecher will die Struktur vereinfachen und bildet "ohne dem" in Analogie zu "mit dem" mit Dativ, wodurch Syntagmen wie ?"mit oder ohne dem" möglich werden.
Vgl. dazu auch die Struktur Präposition + Personalpronomen: Zum Beispiel engl. "with or without you" vs. dt. "mit dir oder ohne dich", wobei hier anzumerken wäre, daß eine Verkürzung wie "mit oder ohne dich" grammatisch zu sein scheint, während *"mit oder ohne dir" nicht akzeptabel ist. Der Kasus des Personalpronomens wird demnach von der direkt vorausgehenden Präposition vergeben, in diesem Falle "ohne" (+ Akkusativ).
Gleiches gilt auch für Präposition + Demonstrativum "das": "mit oder ohne das" ist grammatisch, "mit oder ohne dem" hingegen allerhöchstens umgangssprachlich akzeptiert.
Es bleibt festzuhalten: Die Kasusrektion von "ohne" erfolgt nicht in Analogie zu der von "mit", d. h. "mit" regiert den Dativ, "ohne" jedoch den Akkusativ.
"mit dem"
"ohne das"
P. S.: Nun aber bitte nicht "ohne das" mit der Nebensatzeinleitung "ohne daß" verwechseln!
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Sonntag, 20. Juli 2008
Donnerstag, 29. Mai 2008
"austauschen" vs. "ersetzen durch"
Werbung im Privatradio. Eine Kinderstimme verkündet stolz: "Ich habe in meinem Puppenhaus alle Glühbirnen durch Energiesparlampen ausgetauscht."
An und für sich ein löbliches Ansinnen, nur leider grammatisch nicht korrekt formuliert. "austauschen" steht ohne Präposition. In der Semantik des Verbs ist die Bedeutung "durch ein Äquivalent ersetzen" bereits inhärent. "etwas austauschen" heißt also, "x1 durch x2 ersetzen", wobei "x" z. B. eine Glühlampe sein kann.
Handelt es sich, wie im oben geschilderten Fall, nicht um einen gleichwertigen Ersatz, läuft dies der Semantik von "austauschen" zuwider. Demnach ist die Aussage "etwas (x) durch etwas anderes (y) austauschen" nicht zulässig.
Der Satz hätte richtig lauten müssen: "Ich habe in meinem Puppenhaus alle Glühbirnen durch Energiesparlampen ersetzt."
Denn im Gegensatz zu "austauschen" ist "ersetzen" mit der Präposition "durch" kompatibel. Die Bedeutung läßt sich dabei wie folgt formalisieren: "etwas (x) anstelle von etwas anderem (y) verwenden". "ersetzen" ohne Präposition ist hingegen synonym mit "austauschen": "etwas1 (x1) anstelle von etwas2 (x2) verwenden".
Somit ist "ersetzen (durch)" hinsichtlich seiner Bedeutung weiter gefaßt als "austauschen": Wird das, was anstelle von x verwendet wird, nicht spezifiziert, impliziert "ersetzen" "x1 anstelle von x2 verwenden" = Äquivalenz. Findet dagegen eine Spezifizierung des alternativ verwendeten Gegenstands statt (z. B. "Glühlampe durch Energiesparlampe ersetzen"), liegt hier ein nicht äquivalenter Austausch vor = "etwas (x) anstelle von etwas anderem (y) verwenden".
Oder kurz zusammengefaßt:
austauschen (x1,x2)
*austauschen durch (x,y)
ersetzen (x1,x2)
ersetzen durch (x,y)
Man könnte nun argumentieren: "Wozu die ganze Aufregung, Kinder produzieren einfach von Zeit zu Zeit ungrammatische Sätze." - Richtig, allerdings wird Werbung eben nicht von Kindern, sondern von Erwachsenen gemacht. Und ich kann nichts Amüsantes daran finden, Kindern Fehler in den Mund zu legen. Wie sollen sie denn jemals eine Intuition für Sprachregeln entwickeln, wenn sie ständig mit mißlungenen Konstruktionen konfrontiert werden?
Warum traut man es einem Kind von heute nicht mehr zu, "ersetzen" zu sagen? Anscheinend war den Werbeleuten nicht bewußt, daß dieses als altmodisch empfundene Verb nicht in jeder Satzkonstruktion durch "austauschen" adäquat vertreten wird.
Die Sprache unter dem Joch der Beschränktheit...
An und für sich ein löbliches Ansinnen, nur leider grammatisch nicht korrekt formuliert. "austauschen" steht ohne Präposition. In der Semantik des Verbs ist die Bedeutung "durch ein Äquivalent ersetzen" bereits inhärent. "etwas austauschen" heißt also, "x1 durch x2 ersetzen", wobei "x" z. B. eine Glühlampe sein kann.
Handelt es sich, wie im oben geschilderten Fall, nicht um einen gleichwertigen Ersatz, läuft dies der Semantik von "austauschen" zuwider. Demnach ist die Aussage "etwas (x) durch etwas anderes (y) austauschen" nicht zulässig.
Der Satz hätte richtig lauten müssen: "Ich habe in meinem Puppenhaus alle Glühbirnen durch Energiesparlampen ersetzt."
Denn im Gegensatz zu "austauschen" ist "ersetzen" mit der Präposition "durch" kompatibel. Die Bedeutung läßt sich dabei wie folgt formalisieren: "etwas (x) anstelle von etwas anderem (y) verwenden". "ersetzen" ohne Präposition ist hingegen synonym mit "austauschen": "etwas1 (x1) anstelle von etwas2 (x2) verwenden".
Somit ist "ersetzen (durch)" hinsichtlich seiner Bedeutung weiter gefaßt als "austauschen": Wird das, was anstelle von x verwendet wird, nicht spezifiziert, impliziert "ersetzen" "x1 anstelle von x2 verwenden" = Äquivalenz. Findet dagegen eine Spezifizierung des alternativ verwendeten Gegenstands statt (z. B. "Glühlampe durch Energiesparlampe ersetzen"), liegt hier ein nicht äquivalenter Austausch vor = "etwas (x) anstelle von etwas anderem (y) verwenden".
Oder kurz zusammengefaßt:
austauschen (x1,x2)
*austauschen durch (x,y)
ersetzen (x1,x2)
ersetzen durch (x,y)
Man könnte nun argumentieren: "Wozu die ganze Aufregung, Kinder produzieren einfach von Zeit zu Zeit ungrammatische Sätze." - Richtig, allerdings wird Werbung eben nicht von Kindern, sondern von Erwachsenen gemacht. Und ich kann nichts Amüsantes daran finden, Kindern Fehler in den Mund zu legen. Wie sollen sie denn jemals eine Intuition für Sprachregeln entwickeln, wenn sie ständig mit mißlungenen Konstruktionen konfrontiert werden?
Warum traut man es einem Kind von heute nicht mehr zu, "ersetzen" zu sagen? Anscheinend war den Werbeleuten nicht bewußt, daß dieses als altmodisch empfundene Verb nicht in jeder Satzkonstruktion durch "austauschen" adäquat vertreten wird.
Die Sprache unter dem Joch der Beschränktheit...
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Donnerstag, 6. März 2008
Wir marschieren Seit' an Seit', seid bereit!
Ist es nur so schwer, "seit" und "seid" auseinanderzuhalten?
Das sind doch zwei völlig verschiedene Wörter! Ja gut, wegen der Auslautverhärtung im Deutschen werden sie identisch ausgesprochen, das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten.
So gehören "seit" und "seid" unterschiedlichen Wortarten an: "seit" kann entweder als Präposition mit Dativ auftreten (z. B. in seit langem, seit seiner Geburt) oder als Konjunktion (z. B. in seit sie da ist; seit wir uns kennen). Bei "seid" dagegen handelt es sich um die 2. Ps. Plural Präsens Indikativ von "sein" (z. B. in Seid ihr schon da?) (oder den Imperativ Plural Präsens von "sein", z. B. im sozialistischen Pioniergruß Seid bereit!).
Seltsamerweise wird nach meinen Erfahrungen kaum "seit" anstelle von "seid" verwendet, wohingegen der umgekehrte Fall, die fälschliche Ersetzung von "seit" durch "seid", recht häufig vorzukommen scheint.
Woran könnte das liegen? Sollte etwa die Verbform präsenter sein als die Präposition? - Kaum vorstellbar, wenn man bedenkt, daß sowohl in Texten als auch in der gesprochenen Sprache die betreffende Verbform ungleich seltener Verwendung findet als die entsprechende Präposition oder Konjunktion.
(Vgl hierzu: wortschatz.uni-leipzig.de, Suchanfrage: "seid", Ergebnis: Häufigkeitsklasse 12 (d.h. der ist ca. 2^12 mal häufiger als das gesuchte Wort), Suchanfrage: "seit", Ergebnis: Häufigkeitsklasse 5 (d.h. der ist ca. 2^5 mal häufiger als das gesuchte Wort))
Offensichtlich ist die Frequenz nicht ausschlaggebend für dieses Problem. Eine näherliegende Erklärung wäre, daß Lehrer ihren Schülern so oft die Schreibung der wenig gebräuchlichen Form "seid" vor Augen führen, daß sich darob eine unlösbare Verwirrung im Schülerhirn entwickelt, die zeitlebens nicht mehr zu beheben ist. Es wäre Aufgabe einer Studie, dies zu be- bzw. widerlegen. Oder aber all meine Hypothesen sind müßig, weil die hier angeprangerten Fehlleistungen in Wirklichkeit wieder einmal nur der Gedankenlosigkeit geschuldet sind, mit der heutzutage vielerorts geschrieben wird.
Generell gilt: Vielleicht sollten wir etwas mehr lesen, anstatt nur noch fernzusehen...
Das sind doch zwei völlig verschiedene Wörter! Ja gut, wegen der Auslautverhärtung im Deutschen werden sie identisch ausgesprochen, das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten.
So gehören "seit" und "seid" unterschiedlichen Wortarten an: "seit" kann entweder als Präposition mit Dativ auftreten (z. B. in seit langem, seit seiner Geburt) oder als Konjunktion (z. B. in seit sie da ist; seit wir uns kennen). Bei "seid" dagegen handelt es sich um die 2. Ps. Plural Präsens Indikativ von "sein" (z. B. in Seid ihr schon da?) (oder den Imperativ Plural Präsens von "sein", z. B. im sozialistischen Pioniergruß Seid bereit!).
Seltsamerweise wird nach meinen Erfahrungen kaum "seit" anstelle von "seid" verwendet, wohingegen der umgekehrte Fall, die fälschliche Ersetzung von "seit" durch "seid", recht häufig vorzukommen scheint.
Woran könnte das liegen? Sollte etwa die Verbform präsenter sein als die Präposition? - Kaum vorstellbar, wenn man bedenkt, daß sowohl in Texten als auch in der gesprochenen Sprache die betreffende Verbform ungleich seltener Verwendung findet als die entsprechende Präposition oder Konjunktion.
(Vgl hierzu: wortschatz.uni-leipzig.de, Suchanfrage: "seid", Ergebnis: Häufigkeitsklasse 12 (d.h. der ist ca. 2^12 mal häufiger als das gesuchte Wort), Suchanfrage: "seit", Ergebnis: Häufigkeitsklasse 5 (d.h. der ist ca. 2^5 mal häufiger als das gesuchte Wort))
Offensichtlich ist die Frequenz nicht ausschlaggebend für dieses Problem. Eine näherliegende Erklärung wäre, daß Lehrer ihren Schülern so oft die Schreibung der wenig gebräuchlichen Form "seid" vor Augen führen, daß sich darob eine unlösbare Verwirrung im Schülerhirn entwickelt, die zeitlebens nicht mehr zu beheben ist. Es wäre Aufgabe einer Studie, dies zu be- bzw. widerlegen. Oder aber all meine Hypothesen sind müßig, weil die hier angeprangerten Fehlleistungen in Wirklichkeit wieder einmal nur der Gedankenlosigkeit geschuldet sind, mit der heutzutage vielerorts geschrieben wird.
Generell gilt: Vielleicht sollten wir etwas mehr lesen, anstatt nur noch fernzusehen...
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Sonntag, 10. Februar 2008
Kuriositätenkabinett
Welch seltsame Blüten treibt doch die Sprache bisweilen...
Nachfolgend drei Unfälle aus der Sprachproduktion, die sich am gestrigen Samstag in Funk und Fernsehen ereigneten:
1.) "Wir hinken soweit zurück." - Gemeint war eigentlich: "Wir liegen soweit zurück."
Fazit: Es handelt sich dabei wohl um eine unfreiwillige Wortkreuzung (Kontamination) aus "hinterherhinken" und "zurückliegen".
2.) "Ich habe eine gute Beziehung mit dem Trainer."
Vielleicht führen Spieler und Trainer tatsächlich eine glückliche Paarbeziehung, man weiß es nicht. Selbst in diesem Falle wäre jedoch die gewählte syntaktische Struktur nur im mündlichen Sprachgebrauch akzeptabel. Eine wie auch immer geartete Beziehung erfordert mindestens zwei Beteiligte, deshalb sollte folgender Variante (ohne Präpositionalobjekt) der Vorzug gegeben werden: "(Der Trainer und ich,) Wir führen eine gute/glückliche Beziehung."
Die (vermutlich) vom Sportler intendierte Aussage hätte hingegen lauten müssen: "Ich habe eine gute Beziehung zum Trainer."
Bei dieser Formulierung kann der Sprecher sicher sein, daß seine Äußerung nicht mißverstanden wird.
Noch besser wäre es allerdings, zu sagen: "Ich habe ein gutes Verhältnis zum Trainer" bzw. "Mein Verhältnis zum Trainer ist gut".
(Auch hier würde wiederum die Verwendung der Präposition mit auf eine amouröse Zweierbeziehung schließen lassen.)
Und nun zum dritten Fall aus der Rubrik "Gewollt und nicht gekonnt":
"(...) ohne dabei an Autorität einzubüßen."
Erneut eine unfreiwillige Wortkreuzung (Kontamination); dieses Mal aus "etwas einbüßen" und "an etwas verlieren". "einbüßen" steht niemals zusammen mit der Präposition an! Es hätte also richtig heißen müssen: "(...) ohne dabei Autorität einzubüßen" bzw. "(...) ohne dabei an Autorität zu verlieren".
Ja, natürlich ist Irren menschlich und niemand vor Fehlern gefeit. Auch das Mammut nicht. Gleichwohl kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, der schon im Altertum befürchtete Untergang des Abendlandes stünde nun unmittelbar bevor.
Wie wäre es mit etwas mehr Self-Monitoring?
Nachfolgend drei Unfälle aus der Sprachproduktion, die sich am gestrigen Samstag in Funk und Fernsehen ereigneten:
1.) "Wir hinken soweit zurück." - Gemeint war eigentlich: "Wir liegen soweit zurück."
Fazit: Es handelt sich dabei wohl um eine unfreiwillige Wortkreuzung (Kontamination) aus "hinterherhinken" und "zurückliegen".
2.) "Ich habe eine gute Beziehung mit dem Trainer."
Vielleicht führen Spieler und Trainer tatsächlich eine glückliche Paarbeziehung, man weiß es nicht. Selbst in diesem Falle wäre jedoch die gewählte syntaktische Struktur nur im mündlichen Sprachgebrauch akzeptabel. Eine wie auch immer geartete Beziehung erfordert mindestens zwei Beteiligte, deshalb sollte folgender Variante (ohne Präpositionalobjekt) der Vorzug gegeben werden: "(Der Trainer und ich,) Wir führen eine gute/glückliche Beziehung."
Die (vermutlich) vom Sportler intendierte Aussage hätte hingegen lauten müssen: "Ich habe eine gute Beziehung zum Trainer."
Bei dieser Formulierung kann der Sprecher sicher sein, daß seine Äußerung nicht mißverstanden wird.
Noch besser wäre es allerdings, zu sagen: "Ich habe ein gutes Verhältnis zum Trainer" bzw. "Mein Verhältnis zum Trainer ist gut".
(Auch hier würde wiederum die Verwendung der Präposition mit auf eine amouröse Zweierbeziehung schließen lassen.)
Und nun zum dritten Fall aus der Rubrik "Gewollt und nicht gekonnt":
"(...) ohne dabei an Autorität einzubüßen."
Erneut eine unfreiwillige Wortkreuzung (Kontamination); dieses Mal aus "etwas einbüßen" und "an etwas verlieren". "einbüßen" steht niemals zusammen mit der Präposition an! Es hätte also richtig heißen müssen: "(...) ohne dabei Autorität einzubüßen" bzw. "(...) ohne dabei an Autorität zu verlieren".
Ja, natürlich ist Irren menschlich und niemand vor Fehlern gefeit. Auch das Mammut nicht. Gleichwohl kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, der schon im Altertum befürchtete Untergang des Abendlandes stünde nun unmittelbar bevor.
Wie wäre es mit etwas mehr Self-Monitoring?
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