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Sonntag, 20. Juli 2008

"ohne" + Akkusativ

Heute hat das Mammut eine Frage:

Wie kommt man darauf, "ohne dem" [sic!] zu sagen?

Es heißt "ohne das"!

Interessanterweise würde wohl kaum jemand *"ohne dem Hund" o. ä. produzieren; bei der Struktur Präposition + definiter Artikel + Subjekt besteht das Problem der Kasuswahl also nicht. Vielmehr tritt es nur dann in Erscheinung, wenn "ohne" mit demonstrativem Artikel "das" verwendet wird.

Eine mögliche Ursache für die Wahl des Dativs anstelle des korrekten Akkusativs:

Tendenz zur Sprachökonomie: Der Sprecher will die Struktur vereinfachen und bildet "ohne dem" in Analogie zu "mit dem" mit Dativ, wodurch Syntagmen wie ?"mit oder ohne dem" möglich werden.

Vgl. dazu auch die Struktur Präposition + Personalpronomen: Zum Beispiel engl. "with or without you" vs. dt. "mit dir oder ohne dich", wobei hier anzumerken wäre, daß eine Verkürzung wie "mit oder ohne dich" grammatisch zu sein scheint, während *"mit oder ohne dir" nicht akzeptabel ist. Der Kasus des Personalpronomens wird demnach von der direkt vorausgehenden Präposition vergeben, in diesem Falle "ohne" (+ Akkusativ).

Gleiches gilt auch für Präposition + Demonstrativum "das": "mit oder ohne das" ist grammatisch, "mit oder ohne dem" hingegen allerhöchstens umgangssprachlich akzeptiert.

Es bleibt festzuhalten: Die Kasusrektion von "ohne" erfolgt nicht in Analogie zu der von "mit", d. h. "mit" regiert den Dativ, "ohne" jedoch den Akkusativ.

"mit dem"
"ohne das"

P. S.: Nun aber bitte nicht "ohne das" mit der Nebensatzeinleitung "ohne daß" verwechseln!

Donnerstag, 29. Mai 2008

Zum Genitiv Sgl. von "Autor"

Erschreckend, daß der Irrglaube, es handele sich bei "Autor" um ein schwaches Maskulinum, inzwischen auch vor Nachrichtensprechern des öffentlich-rechtlichen Fernsehens nicht mehr haltmacht.

Liebe Pseudo-Bildungselite, es heißt "des Menschen" und "des Elefanten", aber nicht "des Autoren"! "Autor" ist ein starkes Maskulinum und bildet dementsprechend seinen Genitiv Sgl. mit dem Kasusmarker "-s": "des Autors".

Alles andere ist schlichtweg falsch.

Mittwoch, 27. Februar 2008

Zähneknirschen, Kieferknacken

So manchem scheint die Unterscheidung zwischen den Homonymen Kiefer1 und Kiefer2 große Schwierigkeiten zu bereiten, wie folgendes Zitat beweist:

"Es war ein tiefes, herzhaftes Gähnen, das ihre Kiefern [!] knacken ließ (...)."

Zur Erklärung eine Gegenüberstellung der Wörterbucheinträge für Kiefer1 und Kiefer2 (aus: Duden, Bd. 1, Die deutsche Rechtschreibung):

1. Kie|fer, die; -, -n (ein Nadelbaum)

2. Kie|fer, der; -s, - (ein Schädelknochen)

Kiefer1 hat feminines Genus und im Plural in allen vier Kasus ein "-n" als Kasusmarker. Kiefer2 hingegen ist ein Maskulinum, das einzig im Dat. Pl. den Kasusmarker "-n" nimmt, im Nom., Gen. und Akk. Pl. jedoch endungslos bleibt.

Da das oben angeführte Zitat eindeutig auf Kiefer2 Bezug nimmt, sollte der dort verwendete Akk. Pl. demnach grammatisch korrekt "Kiefer" lauten.

Also: "Es war ein tiefes, herzhaftes Gähnen, das ihre Kiefer knacken ließ (...)."

Ein paar Beispielsätze:

Kiefer1:
Nom. Pl.: "Die Kiefern wiegten sich sanft im Sommerwind."
Gen. Pl.: "Die Stämme der Kiefern hatten alle einen ähnlichen Umfang."
Dat. Pl.: "Mit den Kiefern verschwanden auch die Buchen, Birken und Eichen."
Akk. Pl.: "Sie gingen in den Wald und betrachteten die Kiefern, die seit dem letzten Sommer ein gutes Stück gewachsen waren."

Kiefer2:
Nom. Pl.: "Seine Kiefer schmerzten."
Gen. Pl.: "Der zunehmende Verschleiß seiner Kiefer beunruhigte ihn."
Dat. Pl.: "Es wird davon abgeraten, Nüsse mit den Kiefern aufzuknacken."
Akk. Pl.: "Durch den täglichen Verzehr von Haferflocken hatte sie ihre Kiefer arg strapaziert."


Das zornige Mammut verabschiedet sich für heute zähneknirschend mit zwei hölzernen Merksätzen:

Wenn Kiefern knacken, Stämme brechen,
kann diese nicht der Orthopäde retten.

Kranke Kiefer, die dich plagen? -
Kein Grund, den Holzfäller zu fragen!