Im Rahmen der 3sat-Sendung "wissen aktuell: wahrhaft nahrhaft" wurde gestern die These präsentiert, dicke Menschen seien vielleicht doch nicht selbst schuld an ihrem Übergewicht.
Hierzu wurde auf Forschungsergebnisse aus Versuchen mit Ratten und Mäusen verwiesen, die belegen, daß die Verwertung der Nahrung von der Beschaffenheit der Darmflora abhängt. Fanden sich im Verdauungstrakt der Nager überdurchschnittlich viele Bakterien einer bestimmten Kultur, so neigten die entsprechenden Tiere zu ungesunder Leibesfülle. Ihre Artgenossen, die weniger Bakterien dieser Kultur im Darm beherbergten, waren dagegen rank und schlank.
Ist dies nun der Beweis, daß Übergewicht bzw. die Neigung dazu tatsächlich angeboren und somit unausweichlich ist? Haben jetzt alle, die ständig zuviel essen, endlich die willkommene Ausrede?
Ganz so einfach macht es uns die Wissenschaft dann doch nicht: Es wurde lediglich der Nachweis dafür erbracht, daß eine hohe Konzentration des Darm-Bakteriums die Verdauung von Ballaststoffen verändert - sie werden stärker aufgespalten. Infolgedessen ziehen die betroffenen Nager aus der gleichen Menge an aufgenommener Nahrung mehr Energie. Wird diese zusätzliche Energie nicht durch einen höheren Verbrauch aufgezehrt, speichert der Körper sie in seinen Fettzellen. Es entsteht Übergewicht.
Diese Erkenntnis läßt sich wohl eins zu eins auf den menschlichen Organismus übertragen.
Aber ist dies wirklich neu? Ein Durchbruch der Forschung? - Wohl kaum. Damit wurde jetzt endlich nachgewiesen, was der Volksmund schon lange als "guten" oder "schlechten Futterverwerter" bezeichnet.
Was lernen wir also daraus? - Menschen, die vermuten, sie könnten ebenfalls viele ballaststoffspaltende Bakterien im Darm haben, müssen dann eben einfach etwas weniger essen als vergleichbare Individuen ohne "Bakterienüberschuß". Ungerecht, sicher. Aber die Forschung wird sich mühen, allen Leidgeplagten bald ein Arzneimittel zur Linderung zu offerieren. Wo Bewegung doch so unangenehm und unzumutbar ist.
Und die Hersteller ballaststoffreicher Getreidekost könnten sich künftig vielleicht nicht mehr ganz so laut der diätunterstützenden Wirkung ihrer Produkte rühmen...
Zumindest liefert diese Studie eine plausible Erklärung für die erstaunliche Tatsache, daß manche Menschen mit einer Nudel-, andere mit einer Eiweiß- oder dritte mit einer Trennkostdiät und ähnlichem erfolgreich ihr Gewicht reduzieren.
Ein jeder nach seiner Fac,on...
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Donnerstag, 13. November 2008
Dienstag, 20. Mai 2008
Ethos der Medizin
Heute ein Eintrag mit einer Woche Verspätung, Bezug nehmend auf die Sendung Maischberger vom 13.05.2008. Es ging u. a. um die Frage, welche Methoden der menschlichen Reproduktion erlaubt bzw. wünschenswert seien.
Eine konservative (und katholische) Ärztin vertrat die Meinung, Reproduktion mit medizinischer Hilfe sei abzulehnen, wenn sie auf natürlichem Wege versagt bleibe. Sie interpretierte das Ausbleiben bzw. die Unmöglichkeit einer Schwangerschaft durch Geschlechtsverkehr aus welchen Gründen auch immer (Mutter zu alt, Eltern homosexuell...) als Zeichen dafür, daß diese "von oben" (= von Gott?) nicht gewollt sei. Die Betroffenen sollten das akzeptieren und sich in Verzicht üben.
Nun, einerseits könnte man eine solche Ansicht respektive deren politische Durchsetzung als Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der potentiellen Eltern betrachten. Zumal in Zeiten des fortschreitenden Bevölkerungsrückgangs. Lieber Kinder alter und/oder gleichgeschlechtlicher Eltern, als gar keine!? Andererseits hat es wahrscheinlich schon irgendeine Bewandtnis, daß die Natur uns Grenzen aufzeigt, oder?
Der ewig strebende Forscher würde hier erwidern: Grenzen sind da, um überwunden zu werden! Daß dies jedoch fatale Folgen haben kann, sehen wir zur Zeit in China. Riesige Staudämme, die, allen Warnungen der Vernunft zum Trotz errichtet, nach dem Erdbeben Tausende von Menschen in ihrer Existenz bedrohen. Keine Grenzen?
Trotzdem bleibt es schwierig, sich klar gegen "künstliche" Reproduktion auszusprechen. Immerhin wird auf diese Weise Leben geschaffen. Und das Argument, man solle auf medizinische Eingriffe verzichten, um der Natur nicht "ins Handwerk zu pfuschen", zöge eine fragwürdige Konsequenz nach sich: Müßten dann nicht auch alle lebensverlängernden oder -erhaltenden Maßnahmen wie z. B. Operationen und Transplantationen als Eingriff in die "natürliche Ordnung" abgelehnt werden?
Oder liegt hier ein Denkfehler vor? - Wer kann es wissen?
Eine konservative (und katholische) Ärztin vertrat die Meinung, Reproduktion mit medizinischer Hilfe sei abzulehnen, wenn sie auf natürlichem Wege versagt bleibe. Sie interpretierte das Ausbleiben bzw. die Unmöglichkeit einer Schwangerschaft durch Geschlechtsverkehr aus welchen Gründen auch immer (Mutter zu alt, Eltern homosexuell...) als Zeichen dafür, daß diese "von oben" (= von Gott?) nicht gewollt sei. Die Betroffenen sollten das akzeptieren und sich in Verzicht üben.
Nun, einerseits könnte man eine solche Ansicht respektive deren politische Durchsetzung als Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der potentiellen Eltern betrachten. Zumal in Zeiten des fortschreitenden Bevölkerungsrückgangs. Lieber Kinder alter und/oder gleichgeschlechtlicher Eltern, als gar keine!? Andererseits hat es wahrscheinlich schon irgendeine Bewandtnis, daß die Natur uns Grenzen aufzeigt, oder?
Der ewig strebende Forscher würde hier erwidern: Grenzen sind da, um überwunden zu werden! Daß dies jedoch fatale Folgen haben kann, sehen wir zur Zeit in China. Riesige Staudämme, die, allen Warnungen der Vernunft zum Trotz errichtet, nach dem Erdbeben Tausende von Menschen in ihrer Existenz bedrohen. Keine Grenzen?
Trotzdem bleibt es schwierig, sich klar gegen "künstliche" Reproduktion auszusprechen. Immerhin wird auf diese Weise Leben geschaffen. Und das Argument, man solle auf medizinische Eingriffe verzichten, um der Natur nicht "ins Handwerk zu pfuschen", zöge eine fragwürdige Konsequenz nach sich: Müßten dann nicht auch alle lebensverlängernden oder -erhaltenden Maßnahmen wie z. B. Operationen und Transplantationen als Eingriff in die "natürliche Ordnung" abgelehnt werden?
Oder liegt hier ein Denkfehler vor? - Wer kann es wissen?
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